Dilek Kolat, Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen in Berlin, nimmt am Freitag, den 3. Mai 2013 um 18 Uhr den Maibock-Anstich in der Markthalle Neun in Kreuzberg vor. Im Anschluß an den traditionellen Brauch des Maibock-Anstichs lädt um 18.30 Uhr das August Bebel Institut zur Diskussionsveranstaltung „Wir wollen euer Bier nicht mehr!“ in die Markthalle Neun ein. Der Politologe Reinhard Wenzel erläutert den Berliner Bierstreik von 1894 und seine politische Wirkung. Bier und Politik gehörten in Berlin immer schon eng zusammen. In der Großstadt gab es um 1900 noch über 100 Brauereien. Im Bierboykott von 1894 weigerten sich die Arbeiter/innen, Bier zu trinken. Die Aktion diente der Unterstützung des Streiks der Bierbrauer und Böttcher zur Durchsetzung des 1. Mai als Feiertag. Die Gewerkschaften verständigten sich darauf, ein halbes Jahr lang bestimmte Biere nicht mehr zu trinken.  Heute gibt es in Berlin wieder zahlreiche kleine, unbhängige Brauhäuser und Mikrobrauereien, die sich wachsender Beliebtheit erfreuen.

Wie können sich diese, von großen Unternehmen unabhängigen Brauereien am Markt behaupten? Hierzu gibt Johannes Heidenpeter von Heidenpeters Craft Bier, der hauseigenen Brauerei der Markthalle Neun, Auskunft. Die Markthalle Neun in Kreuzberg beherbergt seit Oktober 2011 freitags und samstags wieder einen Wochenmarkt mit kleinteiligem Lebensmitteleinzelhandel und Lebensmittelhandwerk. Die Markthalle hat sich zum Sprungbrett für junge Existenzgründer im Bereich Lebensmittel und Gastronomie entwickelt – über ein Dutzend von ihnen haben hier ihr Geschäft neu eröffnet. Bekannte Berliner Lebensmittelunternehmen wie z.B. Knippenbergs oder Bio-Lüske haben in der Halle in einen weiteren Verkaufsstandort investiert und neue Arbeitsplätze geschaffen. Gegenwärtig entsteht ein Netzwerk des kleinteiligen Lebensmitteleinzelhandels im Quartier rund um die Markthalle Neun und den Lausitzer Platz (BILEnet Lausitzer), dessen Aufbau im Rahmen des durch die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen den Europäischen Sozialfond geförderten Programms „Lokales Soziales Kapital“ (LSK) unterstützt wird.