Dmitry Vyshemirsky / Kuratorin Alexandra Goloborodko

In Königsberg-Kaliningrad manifestieren sich die Wechsel von Epochen und Ideologien: Deutschland – Sowjetunion – Russland. Eine Stadt geprägt von Krieg, Umsiedlung und Wiederaufbau. Dmitry Vyshemirskys Fotos sind Zeugnisse dieses Wandels und des visuellen Kampfes um Deutungshoheiten. Die Beschäftigung mit dem alten Königsberg, jener Stadt, die so dicht unter der Kaliningrader Oberfläche liegt, hatte lange Zeit eine Aura des Oppositionellen, des Widerständigen.

Obwohl nur sehr wenige (deutsche) Königsberger*innen nach der letzten Ausweisungswelle 1948 in dem sowjetischen Kaliningrad blieben, blieb die deutsche Stadt in der sowjetischen präsent. Heute drohen sogar die Spuren von 45 Jahren Geschichte der Sowjetunion aus dem Gedächtnis der Stadt zu verschwinden. Die Fotografien von Dmitry Vyshemirsky zeigen Kaliningrad in allen diesen Widersprüchen.

Dmitry Vyshemirsky wurde 1958 in der Ukraine geboren und lebte seit seiner Kindheit bis 2015 in Kaliningrad. Bis Anfang der 1980er Jahre arbeitete er als Pressefotograf  für Kaliningrader Zeitungen. Er ist Mitglied der »Russian Society of Art Photographers« und publiziert regelmäßig. Seine Arbeiten sind seit den1980er Jahren in zahlreichen Büchern und Ausstellungen in russischen und anderen europäischen Städten sowie den USA zu sehen. In den Langzeit-Foto-Dokumentationen »Königsberg, Verzeih« und »POST« beschäftigt er sich mit dem post-deutschen und post-sowjetischen Kulturraum der Region Kaliningrad, mit russischer Geschichte und der Demokratie baltischer Staaten.
Heute lebt und arbeitet er in Berlin, wo er zur Zeit ein Forum für humanistische Fotografie aufbaut.

Ausstellung: 2. September bis 30. September 2016
Öffnungszeiten: Mo–Fr, 14–18 Uhr


Fr 2. September 2016, 19–21 Uhr
Vernissage

Mit: Olga Sezneva (Soziologin, Amsterdam Institute for Social Science Research) und Dmitry Vyshemirsky (Künstler)
Anmeldung erbeten [C50]


Mi 7. September 2016, 19–21 Uhr
Verschüttete Geschichte? – Was in Kaliningrad von Preußen und der Sowjetunion bleibt

1946 wurde die alte preußische Stadt Königsberg in die Sowjetunion eingegliedert und in Kaliningrad umbenannt.  In 45 Jahren konnte die Sowjetunion das preußische Erbe nicht ganz unsichtbar machen.  Worin besteht das preußische, das sowjetische Erbe der Stadt? Gibt es eine »Preußen-Renaissance« oder wird die Geschichte von der neuen Zeit planiert?
Mit: Max Zeltler (Filmregisseur) und Brigitte Graf (Kulturmanagerin)


Do 22. September 2016, 19–21 Uhr
Russland nach der Wahl

Am 18. September wählt das russische Volk ein neues Parlament. Ändern solche Wahlen im heutigen Russland etwas? Gibt es auch in Zukunft unabhängige Politiker*innen? Wer steht hinter den politischen Kräften, die nicht Putin unterstützen? Welche unabhängigen demokratischen Bewegungen gibt es?
Mit: Dmitri Stratievski (Politologe und Historiker, Stellv. Vorsitzender des Osteuropa-Zentrums Berlin e.V.)
Anmeldung erbeten [C52]


Fr 30. September 2016, 19–21 Uhr
Finissage

Mit: Dmitry Vyshemirsky (Künstler), Alexandra Goloborodko (Kuratorin) und einem Bericht der Bezirksbürgermeisterin Birgit Monteiro über die Partnerschaft von Lichtenberg und Kaliningrad
Anmeldung erbeten [C53]