»Afrikanisches Viertel« | Projekt | Gedenkobjekte | Vorträge & Diskussionen | Wünsche | Projektbeteiligte

 

»Wie Lernen und Erinnern im ›Afrikanischen Viertel‹?« – diese Frage beschäftigte über mehrere Wochen 23 Schüler_innen der Ernst-Schering-Schule und des Oberstufenzentrums für Kommunikations-, Informations- und Medientechnik, die beide in Berlin-Wedding liegen. In Projekttagen lernten die Schüler_innen über die Geschichte des »Afrikanischen Viertels« und über die Geschichte des deutschen Kolonialismus. Sie setzten sich mit Beispielen von Erinnerungsorten ausein­ander und entwickelten davon ausgehend eigene Ideen für Gedenkobjekte, die sich in einen »Lern- und Erinnerungsort Afrikanisches Viertel« integrieren ließen. Schließlich setzten sie ihre Ideen um: Neun Objekte produzierten sie und stellten sie in einer Ausstellung der Öffentlichkeit vor.

Ziel des Projekts war es, Menschen, die im »Afrikanischen Viertel« und dessen Umgebung wohnen, arbeiten oder lernen, für dessen Geschichte zu sensibilisieren: Während zunächst Schüler_innen das Thema bearbeiteten, sollten die Ergebnisse ihrer Arbeit auch einem erwachsenen Publikum vorgestellt werden, das auf diese Weise ebenfalls angeregt würde, über Sinn und Zweck der Einrichtung eines »Lern- und Erinnerungsorts Afrikanisches Viertel« nachzudenken.

Im Projekt gingen wir deshalb in vier Schritten vor:

 

Gruppe Schüler_innen am Waldrand

11.–12. 9.2012: Schulprojekttage I – Das »Afrikanische Viertel«

Warum heißt das »Afrikanische Viertel« »Afrikanisches Viertel«? Was genau machten Deutsche in den Kolonien? Welche Länder waren überhaupt deutsche Kolonien? Was hat diese Geschichte mit unserem heutigen Leben zu tun? Und warum fordern einige, dass Straßen im »Afrikanischen Viertel« umbenannt werden? Dies sind einige der Fragen, die im Fokus der ersten Projekttage standen.

Die Antworten dazu erarbeiteten die Schüler_innen gemeinsam. Sie wurden selbst zu Stadtführer_innen: Nachdem sie im Internet recherchiert hatten, erklärten sie sich bei einem Spaziergang durch das »Afrikanische Viertel« gegenseitig dessen Geschichte. Später verwandelten sie sich in einem Rollenspiel in Befürworter_innen und Gegner_innen der Umbenennung einer fiktiven Straße und fanden sich im Handumdrehen in der Hitzigkeit der real existierenden Debatte wieder.

 

Hände zeichnen

26.–27.9.2012: Schulprojekttage II – Wie können Gedenkorte aussehen?

Erste Station der zweiten Projekttag-Phase war das »Bayerische Viertel« in Berlin-Schöneberg. Dort erkundeten die Schüler_innen die zahlreichen Tafeln, die seit 1993 an die Ausgrenzung und Vertreibung der jüdischen Bevölkerung aus dem Viertel während des Nationalsozialismus erinnern. Jede der Tafeln fasst eine gesetzliche Grundlage für die Verfolgung zusammen und verweist zugleich auf einen konkreten Ort im Viertel, der damit zusammenhängt. Neben diesem Flächendenkmal finden sich im Viertel sogenannte Stolpersteine sowie andere Formen von Denkmälern.

Zurück in der Schule bestimmten die Jugendlichen ausgehend von ihren Erfahrungen bei der Exkursion, was Gedenkorte leisten müssten und wie sie aussehen könnten. In einem weiteren Rollenspiel, in dem die Gruppe die Auseinandersetzungen um das Aufstellen einer Gedenktafel nachstellte, verschaffte sie sich einen Eindruck davon, welche inhaltlichen Kontroversen warum aufkommen können. Schließlich ging es darum, eigene Ideen zu entwickeln und zu skizzieren: für Gedenkobjekte, die sich die Schüler_innen als Teile eines »Lern- und Erinnerungsorts Afrikanisches Viertel« vorstellen können.

 

Schüler_innen arbeiten

22.–24.10.2012: Schulprojekttage III – Werkstatt

An drei Tagen wurde in Räumen des Hauses der Jugend am Nauener Platz gebaut, gebastelt, gesprüht, gemalt, getextet, gerappt, gefilmt…

 

2.11.–3.12.2012: Ausstellung & Begleitveranstaltungen

Am 2. November wurde die Ausstellung mit den fertigen Gedenkobjekten in der Galerie des August Bebel Instituts feierlich eröffnet. An vier weiteren Abenden erläuterten Schüler_innen den Ausstellungsgästen ihre Kunstwerke. Jeweils im Anschluss fanden Vortrag und Diskussion statt: Expert_innen stellten bereits existierende Orte und Projekte zum historischen Lernen und Erinnern bzw. Erfahrungen mit kolonialem Erbe im Stadtraum vor. Inwiefern können die zusammengetragenen gestalterischen Ideen sowie bestehende Gedenkprojekte und Erfahrungen Vorbild für einen »Lern- und Erinnerungsort Afrikanisches Viertel« sein? Wie wünschen wir uns diesen Ort? Diese Fragen standen im Zentrum der Abende. Gäste konnten mitdiskutieren und Anregungen auf einer Pinnwand in einem »Memory Corner« hinterlassen.