Die politische Allianz zwischen dem wilhelminischen Deutschen Kaiserreich und dem Osmanischen Reich galt als Freundschaft. Das Verhältnis baute auf der Erwartung gegenseitigen Profits auf: Deutschland strebte nach wirtschaftlicher und politischer Macht im Nahen Osten, die osmanische Dynastie kämpfte ums Überleben. Diese Freundschaft der Dynastien gipfelte in der Allianz im Ersten Weltkrieg, in der deutschen Unterstützung des Völkermords an den Armenierinnen und Armeniern. Ein unheilvolles Bündnis.

Wie ein Spinnennetz, das mit einem roten Faden geknüpft wird, hat Der-Meguerditchian fotografische Darstellungen miteinander verflochten, die anspielen auf die katastrophale Auswirkungen die diese Allianz auf die Menschen des sich auflösenden Osmanischen Reiches hatte: Zerstörungen, deren Folgen bis heute nicht überwunden sind.

Silvina Der-Meguerditchian ist 1967 in Buenos Aires geboren, lebt und arbeitet in Berlin. In den Jahren 2014/15 war sie Stipendiatin der Kulturakademie Tarabya/Istanbul und ist an mehreren Produktionen im Ballhaus Naunynstrasse, im Gorki Theater sowie an den Plattformen www.underconstructionhome.net und www.houshamadyan.org beteiligt.
Sie hat bei der 56. Venedig-Biennale 2015 am Armenischen Pavillon »Armenity« mitgewirkt, der mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde. Im Herbst 2015 organisierte sie die Ausstellung »Enkel, neue Geographien der Zugehörigkeit« im DEPO Istanbul

Ausstellung: 22. Januar bis 19. Februar 2016
Öffnungszeiten: Mo – Fr 14–18 Uhr

Fr 22. Januar, 19–21 Uhr
Vernissage
Silvina Der-Meguerditchian (Künstlerin), Ingo Arend (Kulturjournalist und Kritiker)
Anmeldung erbeten [A50]

Do 28. Januar, 19–21 Uhr
Kobanê: Nach 100 Jahren wieder Krieg
100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg herrschen in Syrien und an der türkischen Ostgrenze wieder Krieg, Flucht und Vertreibung: Ein seit Jahrzehnten mit brutalen Unterdrückungsmethoden herrschendes Regime und die mörderischen Milizen des »Islamischen Staats« bekämpfen die Bevölkerung unabhängig von deren religiöser oder ethnischer Zugehörigkeit. Menschen, Ortschaften oder Stadtviertel, die sich dem „IS“ und seiner Ideologie oder dem Assad-Regime nicht unterwerfen, kämpfen in Syrien ums Überleben.
Trotz des Krieges versucht die Region Rojava, genau wie andere Regionen in Syrien basisdemokratische Strukturen aufzubauen. Die Stadt Kobanê hat den monatelangen Angriff des IS abgewehrt. Andere Orte kämpfen gleichzeitig gegen den islamistischen Terror und den des Regimes und versuchen dabei, das Überleben basisdemokratisch zu organisieren und ein freies, gemeinsames Syrien vorwegzunehmen.
Was können wir von dem basisdemokratischen Aufbruch und Widerstand in Kobanê und anderswo in Syrien lernen? Wie können wir ihn unterstützen?
Ein Abend mit Dennis Kupfer (Journalist), Ghied Alhashmy (Politikwissenschaftlerin, angefr.) Mohammed Abo Hajar (Musiker und Aktivist)
und Aktivist*innen aus der Syrien-Solidaritätsarbeit.

Anmeldung erbeten [A51]

Do 11. Februar, 19–21 Uhr
Wechselspiele. »Europa« als Faktor osmanischer Politik
Im Zuge der Betrachtungen zum hundertsten Jahrestag des Völkermords an den Armenier*innen im Osmanischen Reich hat sich gerade in Deutschland das Augenmerk auf die Verstrickung des Deutschen Reiches gerichtet, das im Krieg verbündet war. Die Osmanen wurden von militärischen Beratern aus Deutschland unterstützt. Hiervon ausgehend spannt der Vortrag einen größeren Bogen und beleuchtet das komplexe außen- wie innenpolitische Wechselverhältnis zwischen den europäischen Mächten und dem Osmanischen Reich im 19. Jahrhundert.
Referentin: Elke Hartmann (Ludwig-Maximilians-Universität, München / Houshamadyan, Berlin)
Anmeldung erbeten [A52]

Do 18. Februar, 19–21 Uhr, Finissage
Wie erinnern?
Gespräch zur Finissage der Ausstellung “Verstrickungen” von Silvina Der-Meguerditchian

Der 100. Jahrestag des Völkermordes an Armenier*innen 2015 war Anlass für eine Reihe von Initiativen, Projekten und Veranstaltungen, die an diesen Genozid und die Beteiligung des Deutschen Reiches erinnerten. So hat z.B. die Bundeszentrale für politische Bildung zahlreiche Publikationen zu dem Thema aufgelegt, das GORKI-Theater hat einen ganzen Monat künstlerische Formate der Erinnerung gezeigt und Initiativen des Vereins AKEBİ e.V. hatten ebenso ein Verstehen und Erinnern zum Ziel, wie viele Veranstaltungen des August Bebel Instituts. Wir wollen einen Rückblick wagen und Ideen für die Zukunft diskutieren.
Mit: Hülya Karcı (Dramaturgin, AKEBİ e.V.), Cagla Ilk (Kulturproduzentin), Silvina Der-Meguerditchian (Künstlerin)
Anmeldung erbeten [A53]