Januar | Februar | März 2018

Umkämpfte Erinnerungen

Eine Ausstellung zu vier Völkermorden des 20. Jahrhunderts
Gestaltet von den Teilnehmenden der Multiplikator*innenfortbildung 
»Not about us without us«
gefördert von der Stiftung EVZ
mit Unterstützung des Mitte Museums / Bezirksamt Mitte von Berlin

Die Geschichte (auch) aus Sicht der Betroffenen schreiben – bei Völkermorden ist dieses Credo noch dringender, als sie im Zusammenhang mit der Geschichte von Ausbeutung, Unterdrückung, Rassismus, Kolonisierung und Gewalt ohnehin ist.
Vier Genozide des 20. Jahrhunderts an denen Deutsche beteiligt waren, werden thematisiert: In Deutsch-Südwestafrika 1904-1908, im Osmanischen Reich an den Armenier*innen ab 1915, die Verbrechen im Nationalsozialismus an Jüdinnen und Juden, Sinti*ze und Rom*nja.
Auf der Suche nach der Erzählung aus Sicht der Betroffenen, der Überlebenden stellen sich viele Fragen: Wie wurden die Verbrechen erfahren? Welches Schicksal hatten die Überlebenden? Wie geht die Geschichte der Erinnerung, Erinnerungspolitik und Entschädigung bis heute weiter? Fragen, die nicht umfassend beantwortet werden können, aber Räume für Perspektivwechsel schaffen.
Es geht um subjektive Zugänge: Aus welcher Position betrachte ich einen Völkermord? Die eigene Biografie, sozialer Status, Geschlecht, politische Einstellung, sexuelle Orientierung – vieles kann für das Verständnis einer Vergangenheit wichtig sein, die noch nicht wirklich vergangen ist. Die Nachwirkung dieser Menschheitsverbrechen ist bis heute sichtbar und spürbar.
Erstmalig erstellt eine Gruppe von Teilnehmer*innen einer Fortbildung, die sich mit der Vermittlung der Geschichte von Völkermorden auseinandersetzt, eine Ausstellung für die Galerie des August Bebel Instituts. Informationen und eine kreative Auseinandersetzung schärfen den Blick für Zusammenhänge – nicht für Vergleiche!

Ausstellung: 1. bis 29. März 2018
Öffnungszeiten: Mo-Do 14-18 Uhr, Fr 16-20 Uhr

 

 

Begleitveranstaltungen:

Do 1. März, 19–21 Uhr
Vernissage
Anmeldung erbeten [I50]

Do 8. März
Frauen in Völkermorden
Zum Internationalen Frauentag. Anders als bei traditionellen Kriegen werden bei Völkermorden nicht nur Soldaten – in der Vergangenheit ausschließlich Männer, sondern alle Menschen einer bestimmten Gruppe ermordet: Frauen, Kinder, Alte, Menschen mit Behinderungen. Frauen erleben besondere Formen von Gewalt. Die Geschichte der Genozide ist nicht zu verstehen ohne die Rolle, die Frauen als Opfer, Widerständlerinnen oder Kollaborateurinnen einnahmen.
Das Programm mit Zeiten und Orten wird bei der Anmeldung bekannt gegeben. [I51]

Do 22. März, 19–22 Uhr
Nationalismus? Rassismus? Die Logiken des Völkermords
Völkermorde haben eine lange Geschichte. Eine große Rolle spielten sie bei der Bildung der europäischen Nationalstaaten seit dem 17. Jahrhundert. Schon die Vertreibung der Hugenotten aus Frankreich trug Züge eines Völkermords. Wie kam es dazu, dass alle ethischen Maßstäbe ausgeblendet wurden und Menschlichkeit verloren ging? Was trugen Nationalismus, Rassismus, Vorurteile und technischer Fortschritt dazu bei? Gibt es gemeinsame Grundlagen von Genoziden?
Mit: Gökhan Tuncer (Sozialwissenschaftler) und Elke Hartmann (Historikerin)
Anmeldung erbeten [I52]

Do 29. März, 19–21 Uhr
Finissage
Anmeldung erbeten [I53]

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Weiteres Programm:

 

ACHTUNG! Geänderter Veranstaltungsbeginn: 18 Uhr!
Mo 15. Januar, 18–21 Uhr | Programm-Start 2018

»Der junge Karl Marx – die junge Jenny Marx«
Film »Der junge Karl Marx« mit anschließender Diskussion
Der Marx der »Frühschriften« 1843-1848 wird filmisch in Szene gesetzt. Der Regisseur Raoul Peck kommt aus Haiti, einem Land mit langer revolutionärer Tradition. Neben Karl Marx und seinem Freund Friedrich Engels werden Jenny Marx und Mary Burns beeindruckend in Szene gesetzt.
Anschließend Gespräch mit: Michael Heinrich (Politikwissenschaftler) und Gisela Notz (Sozialwissenschaftlerin)
Ort und Kooperationspartner: Moviemento Kino, Kottbusser Damm 22,
Eintritt 5 €, Reservierung: Tel. (030) 692 47 85, www.moviemento.de [I60]

 

Fr. 19. Januar, 20 Uhr
Gedenken an Hrant Dink
Lieder und Lesung
Hrant Dink, Journalist und Chefredakteur der armenischsprachigen Zeitung »Agos« in der Türkei, wurde am 19. Januar 2007 von einem türkischen Nationalisten in Istanbul erschossen. Vor seinem Tod war er Anfeindungen und gerichtlicher Verfolgung ausgesetzt. Er setzte sich für die Rechte der armenischen und anderer Minderheiten ein, stritt für Demokratie, Freiheit und gesellschaftliche Auseinandersetzung über den Völkermord an den Armenier*innen. 
Die Band »Vomank« aus Istanbul ist von der traditionellen armenischen Musik inspiriert und verbindet sie auf armenisch und türkisch mit modernen Interpretationen. 
Ort: Studio Я des Maxim Gorki Theater, Hinter dem Gießhaus 2, Berlin-Mitte
Veranstalter: AKEBI e.V., Maxim Gorki Theater und August Bebel Institut
Anmeldung erbeten [I30]

 

Sa 20. Januar, 17–21 Uhr

Mein Italien, dein Italien – Wohin geht die Linke?
2018 ist Wahljahr in Italien und die einst starke italienische Linke ist zersplittert. Abgeordnete der Demokratischen Partei haben nun eine neue linke Partei gegründet: »Articolo 1-Movimento Democratico e Progressista«. Sie ist eine Formation auf der Grundlage von Artikel 1 der italienischen Verfassung, der die demokratische, auf Arbeit gegründete Republik garantiert. Wird die italienische Linke wieder zusammenfinden?
Mit: Alfredo D`Attorre (Parlamentsabgeordneter aus Kalabrien), Simone Oggionni (Movimento Democratico e Progressista, Rom), Federico Quadrelli (Partito Democratico, Berlin), Gerda Dicke und Gianfranco Ceccanei (Kulturkreis Carlo Levi)
Moderation: Marcus Otto (Historiker)
Eine Kooperation mit dem Kulturkreis Carlo Levi Berlin
Anmeldung erbeten [I31]

 

Sa, 20. Januar bis So, 21. Januar, jeweils 10–17 Uhr
Gramsci, Lenin, Luxemburg. Wie Marx weiter gedacht wurde
Seminar für junge Leute
Leitung: Michelle Starck (Kulturwissenschaftlerin) und Sinem Tasan (Juristin)
Anmeldung bis 15. Januar [I21]
Der Seminarort wird bei der Anmeldung bekannt gegeben.

 

Do 8. Februar, 19–21 Uhr
Familie als Ideologie
Vorstellung des Bands »Kritik des Familismus«
Im fünften Teil der theorie.org-Reihe stellt Gisela Notz ihre Schrift über den Familismus, also die politische Verabsolutierung der »idealen« Kleinfamilie dar. Die bürgerliche Kleinfamilie war immer schon eine Organisationsform, die nur bei einem Bruchteil der Menschen die Lebenssituation bestimmte. Welches Bild der Familie bestimmt heute die politische Diskussion und wie kann diese lebensfremde Ideologie überwunden werden?
Mit: Gisela Notz (Sozialwissenschaftlerin und Autorin)
Anmeldung erbeten [I20]

 

Sa 10. Februar, 10-17 Uhr
Marx konkret!  
Soziale Spaltungen in Berlin: Wie der Kapitalismus krank macht
»Gesundheit, Wohnen und Arbeit« sind Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben; ihre sozialstaatliche Steuerung soll Menschen vor den Risiken des Kapitalismus schützen. An Hand dieser Bereiche werden die sozialen Spaltungen im Spiegel von Karl Marx »Das Kapital« mit Hilfe ökonomischer und sozialräumlicher Daten analysiert. Ziel ist die Einübung der »Kunst der marxschen Analyse zur Deutung der politischen Tagessituation«, um Alternativen zur sozialen Spaltung zu erarbeiten und zu diskutieren. Es folgen Seminare zu »Wohnen« und »Arbeit«.
Referent: Jörg Nielandt (Soziologe)
Beitrag 10 € inkl. Verpflegung
Anmeldung bis 5. Februar [I40]

 

Berliner Hefte zu Gegenwart und Zukunft der Stadt
Do 15. Februar, 19-21 Uhr
Zingster Str. 25: Eine Geschichte der  »Platte«
Lesung und Gespräch
Um die Bevölkerung mit dringend benötigtem Wohnraum zu versorgen, setzte die DDR ab Mitte der 1950er Jahre auf den industriellen Plattenbau. Es entstanden Siedlungen, deren Wohnungen sich aufgrund ihrer modernen Ausstattung großer Beliebtheit erfreuten. Eine der zuletzt errichteten Großsiedlungen Ost-Berlins ist Neu-Hohenschönhausen, darunter das Haus in der Zingster Straße 25. Sonya Schönberger fragt, was aus den Erstbewohner*innen geworden ist. Sie erzählen vom Alltag in der DDR, vom Wechsel der politischen Systeme und von der Gegenwart.
Mit: Sonya Schönberger (Künstlerin) und Ingo Siebert (Stadtsoziologe)
Anmeldung erbeten [I41]

 

Fr 23. Februar, 19–22 Uhr
Verschmäht, vergessen oder glorifiziert? Blicke auf 100 Jahre Revolution 1918/19
Podiumsdiskussion
Ort: Franz-Mehring-Platz 1, Münzenbergsaal
Anmeldung erbeten [I80]
Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Friedhof der Märzgefallenen und der Rosa-Luxemburg-Stiftung

 

Sa 3. März, 10–17 Uhr
Motiviert in die Politik einsteigen

Anregungen für ein erfolgreiches Engagement
Was brauche ich, wenn ich politisch etwas gestalten möchte? Worauf kommt es an, wenn ich mit meinem Anliegen Gehör finden will? Für Viele, die sich politisch engagieren wollen, stellen sich
die Fragen des Wo und Wie. Unser Workshop gibt Anregungen dazu, wie wir motiviert und realistisch »Politik machen« können. Als Gesprächspartner ist ein/e Politiker/in eingeladen und kann zu seinen/ihren Motiven und Erfahrungen im politischen Werdegang befragt werden.
Leitung: Enrico Troebst (Soziologe, Geschäftsführer des August Bebel Instituts)
Beitrag 10 € inkl. Verpflegung
Anmeldung bis 27. Januar [I43]

 

Mo 12. März, 13–19 Uhr
Erwachsenenbildung als Teil der Berliner Bildungslandschaft
Tagung
Allgemeine, politische, kulturelle und zeitgeschichtliche Bildung für Erwachsene ist fester Bestandteil der Weiterbildung in Berlin. Ein »Weiterbildungsgesetz« soll die bunte Trägerlandschaft von Volkshochschulen, öffentlichen und freien Trägern und parteinahen Einrichtungen unterstützen. Wir wollen einen Dialog der Verantwortlichen der Erwachsenenbildung, ihrer Akteure und Nutzer*innen.
Eine Kooperation von August Bebel Institut, Bildungswerk für Alternative Kommunalpolitik, Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung, Abteilung Erwachsenenbildung/Weiterbildung an der Humboldt-Universität zu Berlin, Abteilung Weiterbildung an der Justus-Liebig-Universität Gießen.
Ort: HU-Universitätsgebäude am Hegelplatz, Dorotheenstr. 24, Berlin-Mitte
Anmeldung bis 28. Februar 2018 [I44]

 

Fr 16. März, 9–16 Uhr
Wofür würdest Du auf die Straße gehen?
Jugendworkshop
1848 hat das Ringen der Bevölkerung um Beteiligung und Wahlrecht sowie für bessere Lebensbedingungen zu Barrikadenkämpfen in Berlin geführt. Wozu führt Beteiligung heute? Berliner Jugendliche gehen der Frage nach, wofür sie auf die Straße gehen würden und befassen sich mit aktuellen Protestmethoden.
Leitung: Melanie Dore (Friedhof der Märzgefallenen), Reinhard Wenzel (Bildungsreferent des August Bebel Instituts)
Anmeldung bis: 11. März [I81]

 

Sa 17. März, 16–21 Uhr
Der Vorabend der Revolution
Freiheit für Deutschland – Freiheit für Haiti
Eine der ersten Revolutionen der Neuzeit fand – vor jeglicher Revolution in Deutschland – 1791 in Haiti statt. Erstmals wurde hier die Universalität der Menschenrechte eingefordert. Wir fragen nach den Zusammenhängen, den Revolutionär*innen, den Wirkungen, Gemeinsamkeiten und Unterschieden mit den Revolutionen im Deutschland des 19. und 20. Jahrhunderts. Peter Brandt stellt dazu Texte aus seinem Sammelband »Freiheit und Einheit« vor.
Der Abend klingt mit revolutionärem Liedgut aus.
Mit: Joshua Kwesi Aikins (Politikwissenschaftler), Peter Brandt (Historiker), Johanna Strunge (Public History), Michael Karnetzki (Stadtrat)
Anmeldung erbeten [I82]

 

Sa 24. März, 10–17 Uhr
Genossenschaften als Solidarisches Wirtschaften
Seit vielen Generationen organisieren sich Menschen nach dem Motto »Gemeinsam mehr erreichen« und gründen Genossenschaften. Diese wirtschaften zum Nutzen der Mitglieder, nicht für den Profit. Das Seminar möchte eine Einführung in die Praxis genossenschaftlichen Wirtschaftens geben, die Besonderheiten dieser demokratischen Rechtsform vorstellen sowie Probleme und Lösungsmöglichkeiten diskutieren.
Leitung: Elisabeth Voß (Betriebswirtin und Publizistin, Schwerpunkt Solidarische Ökonomien, NETZ für Selbstverwaltung und Kooperation Berlin-Brandenburg e.V.)
Beitrag 10 € inkl. Verpflegung
Anmeldung bis 19. März [I42]

 

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Juli 2017 bis April 2018
 »Not about us without us«
Politische Bildung zu den Völkermorden 
im 20. Jahrhundert

Fortbildung von Multiplikator*innen der 
politischen Bildung (mit Zertifikat), gefördert durch die Stiftung Erinnerung Verantwortung Zukunft
Das August Bebel Institut wird in den kommenden Monaten eine Gruppe von zwölf Multiplikator*innen in der politisch-bildnerischen Vermittlung von Völkermorden des 20. Jahrhunderts ausbilden.
Der Holocaust an den europäischen Juden und der Völkermord an den Roma während des Nationalsozialismus, die diesen vorausgehenden Genozide an Herero und Nama in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika (1904–1908), heute Namibia, sowie der Völkermord an den Armenier*innen im Osmanischen Reich (1915/16) sind Thema des Fortbildungsprogramms. Es handelt sich um Völkermorde, die Teil deutscher Geschichte sind. Es wird nach Ursachen, Zusammenhängen und Verflochtenheit gefragt.
Uns ist dabei wichtig, dass Geschichte nicht nur aus Sicht einer deutschen Geschichte erzählt wird, sondern die Erzählungen und Sichtweisen der Nachfahren miteinschließt. Historische Erzählung wird nur vollständig, wenn sie die Sicht der Betroffenen und insbesondere auch der Widerstandsperspektiven wiedergibt.
Die Ausbildung umfasst einführende inhaltliche Workshops, Methodenworkshops zu Seminaren und Stadtführungen, die Organisation von Tagungen, Aktionen zum Internationalen Genozidtag im Dezember 2017 und die Erstellung einer Ausstellung, die im März 2018 in der Galerie des August Bebel Instituts gezeigt wird.

Kooperationspartner: Museum Mitte, AKEBI e.V., Berlin Postkolonial e.V. u.a.
Es wird eine geringfügige Aufwandsentschädigung gezahlt.
Informationen und Bewerbung: Reinhard Wenzel, 
wenzel@august-bebel-institut.de, Tel. (030) 4692 129

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