April | Mai | Juni 2018

Meine Straße? Моя Улица?

Eine kuratorische Recherche von Alexandra Goloborodko und Aleksandra Yurieva-Civjane

Mit Werken der Künstlerinnen und Künstler Isadorino Gore, Julia Gvozdeva, Roman Kanashchuk, Kirill KTO, Igor Ponosov und Vladimir Stekachyov

Grün-weiß gestreifte Planen sind das Markenzeichen des Moskauer Straßensanierungsprogramms »Meine Straße« / »Моя улица« (2015–2020). Die Farben sollen Erneuerung, Frische und Sauberkeit symbolisieren. Aber für viele Moskauer*innen sind sie längst ein Sinnbild ewiger Baustellen.
Sowohl die Unzufriedenheit als auch die Begeisterung von Bewohner*innen entwickelte mit der Zeit eine kulturelle Eigendynamik: das grün-weiße Farbmuster wird ironisch in Internet-Memen, als Stoffmuster für Kleidungsstücke und in künstlerischen Interpretationen zitiert.
Die Kuratorinnen fragen nach den »unsichtbaren Sanierungszielen« und der Resonanz der Stadtbevölkerung sowie Moskauer Künstler*innen. Sie präsentieren Werke, die unterschiedliche künstlerische Strategien zum Thema Stadtraumveränderung thematisieren.
Alexandra Goloborodko und Aleksandra Yurieva-Civjane gründeten 2009 das International Cultural Project BUTTERBROT. Schwerpunkte der kuratorischen Initiative sind junge zeitgenössische Kunst, interkultureller Austausch, Wissenstransfer und deutsch-russische Beziehungen. Zu ihren letzten Projekten gehören: »Russland vs. Russland. Kulturkonflikte« (Ausstellung und Forum) 2015, Berlin und »Koordinatensystem« (Ausstellung, Forum und Lab) 2017, Berlin. 2018 erschien in diesem Kontext die Publikation »Reclaim, Recode, Reinvent – Urban Art and Activism in Eastern Europe«.

Ausstellung: Sa 9. Juni bis Fr 6. Juli 2018
Öffnungszeiten: Mo-Do 14-18 Uhr, Fr 16-20 Uhr

 

 

Begleitveranstaltungen:

Sa 9. Juni, 19–21 Uhr
Vernissage
Unser Ausstellungsauftakt ist verbunden mit einer Buchvorstellung der Publikation »Reclaim, Recode, Reinvent – Urban Art and Activism in Eastern Europe«.
Mit: Alexandra Goloborodko und Aleksandra Yurieva-Civjane (International Cultural Project BUTTERBROT, Kuratorinnen), Ingo Siebert (Stadtsoziologe)
Anmeldung erbeten [J50]

So 10. Juni, 15–17 Uhr
Kuratorinnenführung
Mit: Alexandra Goloborodko und Aleksandra Yurieva-Civjane (International Cultural Project BUTTERBROT, Kuratorinnen)
Anmeldung erbeten [J51]

Do 28. Juni, 19–21 Uhr
Moskau: Von der sozialistischen zur neoliberalen Stadt
Moskau ist eine Metropole im Wandel. Ungebremst von privaten Kapitalinteressen getrieben und wenig transparent entwickelte sich die Stadt unter der Ägide von Bürgermeister Juri Luzhkov von 1992 bis 2010. Unter dem neuen Amtsinhaber Sergej Sobjanin scheint sich eine demokratischere Planungskultur zu entwickeln. Kritiker*innen sprechen allerdings von »Hipster-Stalinismus« und einer Schein-Beteiligung, welche die Gentrifizierung der Innenstadt vorantreibt. Daniela Zupan und Mirjam Büdenbender haben zahlreiche Interviews geführt und leuchten die Dynamiken und Interessenlagen aus.
Mit: Daniela Zupan (Stadtforscherin) und Mirjam Büdenbender (Politische Ökonomin)
Moderation: Ingo Siebert (Stadtsoziologe)
Anmeldung erbeten [J52]

Fr 6. Juli, 19–21 Uhr
Finissage
Mit: Alexandra Goloborodko und Aleksandra Yurieva-Civjane (International Cultural Project BUTTERBROT, Kuratorinnen) und weiteren Gästen
Anmeldung erbeten [J53]

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Weiteres Programm:

 

Do/Fr 12./13. April
in Woltersdorf bei Berlin
Rechtspopulismus: Eine Alternative für Deutschland?

Was Einigen in unserer Gesellschaft als eine Zunahme von Vielfalt und Weltläufigkeit erscheint, verunsichert wiederum Andere. Rechtspopulisten wenden sich an die Verunsicherten und fordern die anderen Parteien heraus. Wann wird im politischen Meinungsstreit eine Grenze überschritten und unsere Demokratie in Frage gestellt?
Leitung: Enrico Troebst (Soziologe). Referent: Carl Chung (Politologe)
Beitrag: 25/30 € im DZ/EZ inkl. Verpflegung
Anmeldung erbeten [J70]

 

Sa 21. April, 10–17 Uhr
Motiviert in die Politik einsteigen
Anregungen für ein erfolgreiches Engagement
Was brauche ich, wenn ich politisch etwas gestalten möchte? Worauf kommt es an, wenn ich mit meinem Anliegen Gehör finden will? Für Viele, die sich politisch engagieren wollen, stellen sich
die Fragen des Wo und Wie. Unser Workshop gibt Anregungen dazu, wie wir motiviert und realistisch »Politik machen« können. Als Gesprächspartner ist ein/e Politiker/in eingeladen und kann zu seinen/ihren Motiven und Erfahrungen im politischen Werdegang befragt werden.
Leitung: Enrico Troebst (Soziologe, Geschäftsführer des August Bebel Instituts)
Beitrag 10 € inkl. Verpflegung
Anmeldung bis 16. April [J45]

 

Do 3. Mai, 18–21 Uhr
Marx konkret!
Identifikation mit der Arbeit oder Entfremdung im Job?

Karl Marx war ein feinsinniger Beobachter des gesellschaftlichen Wandels seiner Zeit. Er beschrieb, wie sich das Verhältnis der Menschen zu ihrer Arbeitstätigkeit im aufkommenden Kapitalismus wandelte und verändern musste. »Entfremdung« ist ein Schlüsselbegriff in seiner Analyse. Seither hat sich das Rad der Geschichte weiter gedreht. Was sagt die aus der Marx-Rezeption hervorgegangene Soziologie über die heutigen Arbeitsverhältnisse?
Referent: Jörg Nielandt (Soziologe)
Anmeldung erbeten [J43]

 

Sa 5. Mai, 18–20 Uhr
Gesundes Essen – wer kann sich das leisten?

Gesundes Essen ist eine wichtige Voraussetzung für die persönliche Entwicklung und entlastet das Gesundheitswesen. Bioprodukte sind aber meist teurer, als das Standardangebot im Discounter. Was muss getan werden, damit sich auch die Menschen mit wenig Geld gesundes Essen leisten (können)?
Mit: Joachim Weckmann (Geschäftsführer Märkisches Landbrot GmbH) und Sabine Werth (Vorsitzende der Berliner Tafel e.V.)
In Kooperation mit der Markthalle Neun
Ort: Markthalle Neun, Eisenbahnstraße 42/43, 10997 Berlin
Anmeldung erbeten [J46]

 

Mi 9. – Mo 21. Mai
Stadt- und verkehrspolitische Bildungsreise entlang des »Nordsee-Baltikum Korridors« (»Rail Baltica«)

Auf den Reisestationen informieren Vertreter*innen städtischer und regionaler Verkehrsunternehmen über innovative Schienen-Verkehrsprojekte – z.B. in Posen, Lodz und Warschau.
Leitung: Jürgen Murach (Verkehrswissenschaftler)
Beitrag: 1200 € plus Einzelzimmerzuschläge
Anmeldung bis 13. April [J40]

 

Do 24. Mai, 19–21 Uhr
Kritische Theorie –
Kommen wir gegen das »falsche Bewusstsein« im Kapitalismus an?
Michael Schwandts in der Reihe »theorie.org« veröffentlichte Einführung in die vom Kreis um Horkheimer, Adorno und Marcuse entwickelte Gesellschaftstheorie zeichnet auf verständliche Weise die philosophische Entwicklungsgeschichte der Kritischen Theorie nach. Zugleich orientiert sie sich an der Frage nach dem Verhältnis zur politischen Praxis: Wie soll, wie kann sich politisch verhalten, wer diese Welt aus tiefstem Herzen ändern will, aber erkennen muss, dass die Chancen dazu verschwindend gering sind?
Mit: Michael Schwandt (Autor und Politikwissenschaftler)
Anmeldung erbeten [J20]

 

Sa 26. Mai, 10–18 Uhr
5. Berliner Jugendhilfeforum

Die Aktiven der Berliner Jugendhilfe sind eingeladen, den Entwurf für ein Berliner Jugendfördergesetz zu beleuchten, zu diskutieren und Ideen einzubringen. Der Austausch findet als »Barcamp« statt.
Tagung der Berliner Kommunalpolitischen Bildungswerke: August Bebel Institut, Bildungswerk für Alternative Kommunalpolitik e.V. (BiwAK), Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Kommunalpolitisches Bildungswerk Berlin e.V. (KBB), kommunalpolitisches forum e.V. (berlin)
Ort: Rathaus Mitte, Karl-Marx-Allee 31, 10178 Berlin
Beitrag 10 € inkl. Verpflegung
Anmeldung und Bezahlung ausschließlich über http://bit.ly/BJHF18 bis 18. Mai [J41]

 

Mo 28. Mai, 9–16 Uhr
Wofür würdest Du auf die Straße gehen?
Jugendworkshop
1848 haben die Berliner*innen in den Straßen auf Barrikaden gestanden und gegen das Militär gekämpft. Sie haben sich für das Wahlrecht, die Pressefreiheit sowie für bessere Lebensbedingungen eingesetzt. Wozu führt Beteiligung heute? Berliner Jugendliche gehen der Frage nach, wofür sie auf die Straße gehen würden und befassen sich mit aktuellen Protestmethoden.
Leitung: Melanie Dore (Friedhof der Märzgefallenen), Reinhard Wenzel (Bildungsreferent des August Bebel Instituts)
Anmeldung bis: 18. Mai [J80]

 

Do 31. Mai, 18–21 Uhr
Im Internet politische Netzwerke pflegen
… und mit schwierigen Posts umgehen
Social Media ist für politisch Aktive Fluch und Segen zugleich. Man kann unkompliziert und günstig Menschen erreichen, über die eigene Arbeit informieren und dafür begeistern. Aber soziale Netzwerke sind auch ein Ort, wo Hass und Hetze in wahnsinniger Geschwindigkeit zirkulieren können. Wir wollen uns sowohl mit den Potenzialen sozialer Plattformen befassen, als auch damit, wie man mit Hassbotschaften umgeht und angemessen auf sie reagiert.
Programmpunkte: Plattformen und Funktionsweise | ansprechende Posts gestalten | eine erfolgreiche Kommunikationsstrategie entwickeln | Strategien der Neuen Rechten in sozialen Netzwerken | Strategien gegen Hass und Hetze
Leitung: Stefan Weger (Social Media-Redakteur)
Anmeldung erbeten [J44]

 

Sa 16. Juni, 10–18 Uhr
Ernährungsparadies für Großstadtpflanzen
Exkursion nach Oranienburg-EdenVor 125 Jahren wurde bei Oranienburg die erste vegetarische Siedlung Deutschlands gegründet. Ganz im Sinne der Lebensreformbewegung suchten die Genossenschaftsgründer einen Ort abseits der Hektik des Großstadtlebens und der industriellen Arbeitswelt, um im Einklang mit der Natur ein gesundes Leben zu führen. Mit den Gartenbauprodukten sollte das nahe gelegene Berlin versorgt werden.
Die heutige „Eden gemeinnützige Obstbausiedlung eG“ ist eine traditionsbewusste Siedlungsgenossenschaft, die sich ihrem lebensreformerischen Erbe verpflichtet weiß und ihre bauliche Eigenart erhalten hat.
Unsere Exkursion informiert über die Wirtschafts-, Sozial- und Architekturgeschichte der Siedlung Eden und stellt Bezüge zu aktuellen Diskussionen um Ernährungspolitik und solidarisches Wirtschaften her.
Leitung: Andreas Gudat-Wengenroth (Stadthistoriker) und Anne Wengenroth (Politologin)
Beitrag 10 € inkl. Busfahrt, Verpflegung und Museumseintritt
Anmeldung bis 6. Juni [J42]

 

Sa, 23. Juni, 10–16 Uhr
Sozialdemokratie und soziale Bewegungen in Berlin
Bustour zu sichtbaren und unsichtbaren Erinnerungsorten
Berlin war in den letzten zwei Jahrhunderten ein Zentrum sozialer Spannungen und Kämpfe. Parteien, Gewerkschaften, Initiativen und Verbände setzten sich auf unterschiedliche Weise für Verbesserungen ein. Wir besuchen sichtbare und unsichtbare Erinnerungsorte in Berlin, an denen die Geschichte der Sozialdemokratie und sozialer Bewegungen erzählt werden kann.
Mit: Reinhard Wenzel (Bildungsreferent des ABI)
Beitrag 5 €, der Treffpunkt wird nach Anmeldung bekannt gegeben.
Anmeldung bis 15. Juni [J81]

 

 

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Juli 2017 bis April 2018
 »Not about us without us«
Politische Bildung zu den Völkermorden 
im 20. Jahrhundert

Fortbildung von Multiplikator*innen der 
politischen Bildung (mit Zertifikat), gefördert durch die Stiftung Erinnerung Verantwortung Zukunft
Das August Bebel Institut wird in den kommenden Monaten eine Gruppe von zwölf Multiplikator*innen in der politisch-bildnerischen Vermittlung von Völkermorden des 20. Jahrhunderts ausbilden.
Der Holocaust an den europäischen Juden und der Völkermord an den Roma während des Nationalsozialismus, die diesen vorausgehenden Genozide an Herero und Nama in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika (1904–1908), heute Namibia, sowie der Völkermord an den Armenier*innen im Osmanischen Reich (1915/16) sind Thema des Fortbildungsprogramms. Es handelt sich um Völkermorde, die Teil deutscher Geschichte sind. Es wird nach Ursachen, Zusammenhängen und Verflochtenheit gefragt.
Uns ist dabei wichtig, dass Geschichte nicht nur aus Sicht einer deutschen Geschichte erzählt wird, sondern die Erzählungen und Sichtweisen der Nachfahren miteinschließt. Historische Erzählung wird nur vollständig, wenn sie die Sicht der Betroffenen und insbesondere auch der Widerstandsperspektiven wiedergibt.
Die Ausbildung umfasst einführende inhaltliche Workshops, Methodenworkshops zu Seminaren und Stadtführungen, die Organisation von Tagungen, Aktionen zum Internationalen Genozidtag im Dezember 2017 und die Erstellung einer Ausstellung, die im März 2018 in der Galerie des August Bebel Instituts gezeigt wird.

Kooperationspartner: Museum Mitte, AKEBI e.V., Berlin Postkolonial e.V. u.a.
Es wird eine geringfügige Aufwandsentschädigung gezahlt.
Informationen und Bewerbung: Reinhard Wenzel, 
wenzel@august-bebel-institut.de, Tel. (030) 4692 129

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