Juli | August | September 2019

Ich bin kein Objekt!

Selbstverständlich scheinende Sätze wie »Ich will das nicht.«, »Nein.« , »Geh weg!« und »Stopp.« sind für Betroffene von sexistischer Diskriminierung oft schwer auszusprechen, weil ihnen das Recht abgesprochen wird, sie zu sagen. Auf Übergriffe, auf das Überschreiten von Grenzen folgen:

Scham – Das kann ich niemandem erzählen!
Wut – Du Arschloch! Wie kann ein Mensch so etwas tun?
Trauer – Der Abend ist ruiniert. Ich will allein sein.
Zweifel – War es meine Schuld? Hätte ich mich wehren müssen?
und Ohnmacht – …

Es ist eine Krux, denn die Verarbeitung solcher Gefühle ist ein Kraftakt und man kann das Erlebte nicht ungeschehen machen. NotAnObject versucht dabei zu helfen, diese Erlebnisse und Gefühle in Kunst zu transformieren, um Sexismus aus der Perspektive derer sichtbar zu machen, die ihn erleben.

Oft sind es von Sexismus Betroffene, die in die Position gebracht werden, Konsequenzen aus der Diskriminierung ziehen zu müssen; jene, die versuchen müssen, gesellschaftlichen Wandel zu erzielen. Daher werden die Sprüche und Taten der Täter*innen genutzt und sich künstlerisch angeeignet – die Geschichten werden erzählt. Denn es kann befreiend und empowernd sein, Erlebtes öffentlich auszusprechen – vor allem, wenn dies auf einer Plattform geschieht, auf der viele Menschen ihre Geschichten erzählen.
So werden Betroffene zu Akteur*innen einer feministischen Bewegung; so entsteht ein Mosaik, welches die vielen Facetten des Sexismus abbildet.

NotAnObject ist ein queer-feministisches, antisexistisches Projekt, welches sich künstlerisch mit Sexismus auseinander setzt und eine Plattform für Menschen bietet, die Sexismus erleben mussten. Gemeinsam werden die Geschichten fotografisch auf  gearbeitet und öffentlich gemacht.

In dieser Ausstellung werden eine Auswahl der Fotos gemeinsam mit von Betroffenen verfassten Statements gezeigt.

Ausstellung: 29. August bis 26. September 2019
Öffnungszeiten: Di–Do, 14–18 Uhr, und auf Anfrage


Begleitveranstaltungen:

Do 29. August, 19–21 Uhr | Vernissage
Mit: NotAnObject und Gastvorträgen zum Thema Sexismus

Do 12. September, 19–21 Uhr | Podiumsdiskussion
Trans* Personen haben Rechte?– 
Das Transgendergesetz in der Diskussion
Ein neues Bundesgesetz soll das aus dem Jahr 1981 stammende Recht erneuern. Aus Sicht vieler Betroffener verstärkt die angestrebte Reform ihre Diskriminierung sogar, Stellungnahmen von Verbänden wurden nicht einbezogen. Wir diskutieren mit Betroffenen und Politiker*innen, wie der Stand des Verfahrens ist und wie ein Gesetz aussehen müsste, das Menschen unterstützt, anstatt ihre Diskriminierung fördern.

Sa 21. September, 10–17 Uhr | Workshop
Boys will be boys? – Ein sexismuskritischer Workshop für Männer
Die kritische Auseinandersetzung mit Sexismus wurde bisher weitestgehend Frauen* überlassen. Sexismus ist jedoch kein Frauenthema. Eine gleichberechtigte Gesellschaft muss von allen getragen werden. Deshalb möchten wir uns der Frage widmen, wie man(n) patriarchale Handlungs- und Denkmuster durchbrechen kann und Männern den Raum geben, Sexismus (selbst)kritisch zu reflektieren, um in Anschluss gemeinsam Handlungsstrategien zu entwickeln.
Mit: Wendy König (Politikwissenschaftlerin und politische Bildnerin) und Sarah Gubitz (Feministin und Anthropologin)
Beitrag 15 € inkl. Verpflegung, Ermäßigung möglich
Anmeldung bis 17. September [O52]

Do 26. September, 19–21 Uhr | Finissage
Finissage
Mit: NotAnObject und Gastvorträgen zum Thema Sexismus

Anmeldung zu den Veranstaltungen unter anmeldung[at]august-bebel-institut.de

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Weiteres Programm:

Sa 3. August, 19-21 Uhr | Performance / Installation
Baydu: Karakter bürünmek – Persönlichkeit tragen
Die Performance fragt nach Identität und Kollektivität in einem feministischen Kontext. Während ihrer Recherche in den Straßen und an den Türen im Berliner Wedding fragte die Künstlerin viele Frauen verschiedener Lebensstile, Berufe und sozialer Schichten nach ihrer aktuellen täglichen Gebrauchskleidung und sammelte diese. Während der Performance zieht die Künstlerin jedes Kleid übereinander an. So entsteht ein metaphorisches Schichtkleid. Die Frauen und die Künstlerin verschmelzen. Nach der Performance bildet es ein dreidimensionales Objekt, das sie alle gemeinsam repräsentiert.
Die Performance wurde in Kassel, Berlin und in Motes Claros/Brasilien aufgeführt und ändert sich an jedem Ort, je nach der sozialen Dynamik der Stadt.
Mit: Mehtap Baydu (Künstlerin)
Einführung: Ingo Arend (Kunstkritiker und Autor)
Anschließend Gespräch, Moderation: Ingo Siebert (Stadtsoziologe)
Die Installation kann vom Mo 5. August – Fr 9. August von 14-18 Uhr besichtigt werden.

Mehtap Baydu wurde 1972 in Bingöl in der Türkei geboren. Die Künstlerin lebt und arbeitet heute in Berlin. Sie studierte Kunst an der Kunsthochschule Kassel, u.a. bei den Professoren von Windheim
Sie erhielt Stipendien von der Universität Kassel und der Otto Braun Stiftung. Fiktionen, erfundene Charaktere und alltägliche Materialien wie Kleidung, Essen, Sprichworte sowie ihr eigener Körper sind Inspirationen und Bestandteile der künstlerischen Arbeit von Mehtap Baydu. Während ihr Hauptaugenmerk auf der Performance als Kunstform liegt, greift sie in ihren Arbeiten außerdem auf Fotografie, Film, Installation und Bildhauerei,zurück.
www.mehtapbaydu.com

Di 6. August, 19–21 Uhr | Vortrag mit Diskussion
Zum 50. Todestag Theodor W. Adornos: Musik in der Kritik
Der Philosoph und Soziologe Theodor W. Adorno (1903-1969) hat sich künstlerisch, aber auch politisch und gesellschaftlich mit Musik befasst. Die Neue Musik des 20. Jahrhunderts kam seinen Idealen nahe. Der Jazz wurde von ihm als »verdinglichte« Musik abgetan. Was meinte er damit aber genau? Auf welche Musik bezog sich diese Ansicht Adornos in dieser Zeit und warum wird das bis heute aktiv diskutiert?
Mit: Miriam Akkermann (Musikwissenschaftlerin)

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Anders Wohnen, anders Wirtschaften, anders Leben! | Reihe

Sa 31. August – So 01. September, je 10–17 Uhr | Workshop
Anders Wohnen – aber wie?
Hausprojekte, Baugruppen, Genossenschaften
Gemeinschaftliches Wohnen liegt im Trend. Wer die finanziellen Möglichkeiten hat, findet leicht eine Baugruppe. Und wie machen es diejenigen mit wenig Geld?
An verschiedenen Beispielen aus Stadt und Land werden unterschiedliche Wohnformen gezeigt, mit verschiedenen Graden von Selbstorganisation. Rechtsformen und Finanzierungsmodelle werden insbesondere mit Blick auf solidarische Ausgestaltungsmöglichkeiten nach innen und außen untersucht. Auch die wohnungswirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen in Berlin und Umland kommen nicht zu kurz.
Die Teilnehmenden können ihre Erfahrungen einbringen, eigene Wohnwünsche klären sowie sich über wohnungspolitisches Engagement austauschen.
Leitung: Elisabeth Voß (Betriebswirtin und Publizistin, Schwerpunkt
Solidarische Ökonomien, NETZ für Selbstverwaltung und Kooperation Berlin-Brandenburg e.V.)
Beitrag: 10 € inkl. Verpflegung und Getränke
Anmeldung bis 27. September [O40]

Sa 28. September, 10-17 Uhr | Workshop
Solidarisches Wirtschaften in Genossenschaften
Seit vielen Generationen organisieren sich Menschen nach dem Motto »Gemeinsam mehr erreichen« und gründen Genossenschaften. Diese wirtschaften zum Nutzen ihrer Mitglieder, nicht für den Profit. Genossenschaften gelten als demokratischste Unternehmensform. Das Seminar gibt eine Einführung in die Praxis genossenschaftlichen Wirtschaftens und zeigt dessen Besonderheiten. Auch Probleme und Lösungsmöglichkeiten werden diskutiert.
Leitung: Elisabeth Voß (Betriebswirtin und Publizistin, Schwerpunkt Solidarische Ökonomien, NETZ für Selbstverwaltung und Kooperation Berlin-Brandenburg e.V.)
Beitrag 10 € inkl. Verpflegung
Anmeldung bis 24. September [O43]

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Sa 7. September, 10–17 Uhr | Workshop
Motiviert in die Politik einsteigen
Anregungen für ein erfolgreiches Engagement
Was brauche ich, wenn ich politisch etwas bewegen möchte? Wie kann ich mit meinen Anliegen Gehör finden? Für Viele, die sich politisch engagieren wollen, stellen sich die Fragen des Wo und Wie. Unser Workshop gibt Anregungen dazu, wie wir motiviert und realistisch »Politik machen« können. Als Gesprächspartner ist ein*e Politiker*in eingeladen und kann zu seinen*ihren Motiven und Erfahrungen im politischen Werdegang befragt werden.
Mit: Enrico Troebst (Soziologe)
Beitrag 15 € inkl. Verpflegung, Ermäßigung möglich
Anmeldung bis 01. September [O41]

Sa 14. September, 10–18 Uhr | Tagung
Jugend in der wachsenden Metropole: Analysen, Angebote, Beteiligung
6. Berliner Jugendhilfeforum
Das Forum wird als Barcamp organisiert. Alle sind herzlich eingeladen, auch selbst Sessions (45 Min.) anzubieten.
Tagung der Berliner Kommunalpolitischen Bildungswerke: August Bebel Institut, Bildungswerk für Alternative Kommunalpolitik e.V. (BiwAK), Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Kommunalpolitisches Bildungswerk Berlin e.V. (KBB), kommunalpolitisches forum e.V. (berlin)
Ort: Rathaus Mitte, Karl-Marx-Allee 131 (U-Bhf. Schillingstraße)
Beitrag 10 € inkl. Verpflegung
Anmeldung und Bezahlung ausschließlich über http://bit.ly/BJHF19 vom 5. August bis 6. September [O42]

Fr 15. – So 17. November
 | Gedenkstättenfahrt
Exkursion zur Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück
In der Nähe der Stadt Fürstenberg/Havel errichtete die SS 1939 das größte Konzentrationslager für Frauen. Mehr als 140 000 Menschen wurden hier während des Zweiten Weltkriegs festgehalten. Zehntausende starben.
Wir besichtigen die Gedenkstätte, führen einen Workshop mit Dokumenten des Terrors und des Lageralltags durch und befassen uns mit der juristischen Aufarbeitung der Verbrechen nach 1945.
Leitung: Enrico Troebst (Soziologe)
Teilnahmebeitrag (inkl. Eintritt und Übernachtung): 100 €, ermäßigt 30 €.
Es gibt die Möglichkeit, über einen Förderbeitrag in Höhe von 170 € Ermäßigungsberechtigten die Teilnahme zu ermöglichen.
Anmeldung bis: 16. September [P80]


Anmeldung zu den Veranstaltungen unter anmeldung[at]august-bebel-institut.de