Oktober | November | Dezember 2020

Stadt
Kultur
Geschichte

Der Dirigent der Weltstadt – Martin Wagner und das Neue Berlin
Ausstellung im Roten Rathaus · 9. Oktober bis 18. Dezember

Martin Wagner (1885–1957) war ein bemerkenswerter Architekt und Stadtpolitiker. In einer Zeit, die selbst für Berliner Verhältnisse außergewöhnlich dramatisch war, verantwortete er von 1926 bis 1933 als Stadtbaurat die Entwicklung der Metropole. Wenige Jahre, in denen er Pläne entwickelte, »die Stadt zu bauen« und einiges zur Umsetzung brachte. Die Weltwirtschaftskrise beeinträchtigte sein Werk ab 1929 erheblich, der Beginn der Nazi-Diktatur beendete es endgültig.
Die Ergebnisse sind erstaunlich. Am bekanntesten sind die Stadtsiedlungen, von denen sechs mittlerweile zum Weltkulturerbe zählen. Sie wurden geplant von Architekten wie Bruno Taut oder Walter Gropius. Ob Strandbad Wannsee, Volkspark Rehberge, Alexanderplatz oder Karstadt am Hermannplatz – viele heute noch sichtbare Orte Berlins gehen auf Wagner zurück.
Wir stellen seine Planungen vor und zeigen im Vergleich die Ergebnisse. Die Ausstellung lädt ein zur Diskussion über Stadtplanung und darüber, was in der Berliner Politik leistbar ist.
Kurator: Henning Holsten (Historiker), 
Grafik und Gestaltung: Jürgen Freter (Grafiker)
, Fachberatung: Renate Amann (Architektin).

Die Ausstellung ist Mo–Fr 9–18 Uhr geöffnet. Kuratorenführungen auf Anfrage (max. 10 Teilnehmende).

Das Rote Rathaus ist wegen Veranstaltungen nicht immer zugänglich. Bitte vorher unter 030 9026 2032 die Zugänglichkeit erfragen.

Weitere Informationen unter www.berlin.de/berlin100

Tag ein, Tag aus
Ausstellung in der Galerie des August Bebel Instituts · 20. Oktober bis 26. November

Sieben junge Fotograf*innen der Ostkreuzschule für Fotografie haben sich zusammengefunden, um sich bildnerisch mit der Corona-Pandemie und der daraus resultierenden Krise auseinanderzusetzen. Da sie sich als angehende Journalist*innen, Künstler*innen und Fotograf*innen verstehen, haben sie das vergangene Halbjahr und den weltweiten Stillstand genutzt, um in Eigenregie fotografische Positionen zur aktuellen Situation zu erarbeiten. Das Ergebnis dieser Arbeit sind sieben Serien, die auf ganz eigene Art und Weise Stellung zu Lebensumständen unter Corona beziehen. Ludwig Rauch hat diese Arbeiten kuratiert.
Delia Friemels Arbeit handelt vom Versuch, eine neue Gemeinschaft aufzubauen, während Ekaterina Zershchikova mit ihrer Serie Einblicke in die veränderte Realität von Jugendlichen aus Russland und Deutschland gibt. Jonas Berndt dagegen verfolgt mit seinem visuellen Tagebuch den Ansatz, ein stimmungsvolles Zeitdokument der sozialen Distanz zu schaffen. Auch Liam Noack transportiert eine Stimmung der Krise in seinem Fotoessay. Milan Kochs Arbeit thematisiert Anti-Corona-Proteste. Natalia Kepesz setzte sich als alleinerziehende Mutter mit dem Erwachsenwerden ihrer Tochter in der Krise auseinander. Tamara Eckhardt zeigt in einer Reportage ein Hostel, das zum vorübergehenden Zuhause für 200 Menschen wurde, deren Existenz durch die Pandemie bedroht ist.
Künstler*innen: Delia Friemel, Ekaterina Zershchikova, Jonas Berndt, Liam Noack, Milan Koch, Natalia Kepesz, Tamara Eckhardt

Die Ausstellung ist Di–So 14–18 Uhr geöffnet.

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Do 15. Oktober, 18.30–20.30 Uhr | Lesung (online)
»Daughters and Sons of Gastarbeiters«

Das Autor*innenkollektiv »Daughters and Sons of Gastarbeiters« leistet mit seinen künstlerisch-performativen Lesungen von autobiographischen Geschichten als Kinder von »Gastarbeitern« einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur in Deutschland. Längst überfällig, dass diese Biographien als Selbstverständlichkeit und Normalität angesehen werden. Ebenso sollen die Geschichten einen Diskurs über das Selbstverständnis und die Relevanz von Einwander*innen in der deutschen Gesellschaft eröffnen.
Mit: Betül Özdemir (SPD Gesundbrunnen) und den 
Autor*innen Rosaria Chirico (Berlin), Dr. Martin Hyun (Berlin), Koray Yilmaz-Günay (Berlin), Miguel Zamorano (Schweiz)
Anmeldung erforderlich [T40]

Sa 17. Oktober, 11–13.30 Uhr | Stadtrundgang
Wohnreform kurz nach dem Ersten Weltkrieg: Lindenhofsiedlung und Attilahöhe

Unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkriegs setzte Martin Wagner als Stadtbaurat des noch selbständigen Schöneberg erste Akzente neuen Wohnungsbaus: die Häuser der Siedlung Lindenhof. Ludwig Lesser gestaltete die Gärten der Genossenschaftssiedlung, Bruno Taut fügte das Ledigenheim hinzu. Auf der Tempelhofer Seite der Arnulfstraße bauten Taut und Franz Hoffmann die Siedlung Attilahöhe, deren Zentrum Tauts Zentralwäscherei bildet. Krieg und Nachkriegssanierung haben den Siedlungen schwer zugesetzt. Was ist vom Neuen Bauen der 1920er Jahre geblieben?
Mit: Gerhild Komander (Historikerin und Kunsthistorikerin)
Beitrag: 10 € (Ermäßigung möglich)
Max. 15 Teilnehmende. Der Treffpunkt wird nach Anmeldung und Überweisung des Beitrags bekannt gegeben [T51]

Di 20. Oktober, 18.30–20.30 Uhr | Vernissage (online)
Ausstellung »Tag ein, Tag aus«

Zur Eröffnung der neuen Ausstellung »Tag ein, Tag aus« wird das August Bebel Institut erstmals eine Online-Vernissage veranstalten. Mit dabei sind die Künstler*innen Natalia Kepesz, Ekaterina Zershchikova, Delia Friemel, Tamara Eckhardt, Jonas Berndt und Milan Koch, die sich und Teile ihrer fotografischen Positionen zur Pandemie vorstellen werden. Zudem wollen wir ins Gespräch darüber kommen, wie die Pandemie ihre Arbeit als junge Künstlerinnen beeinflusst und was für sie ein verantwortungsvoller gesellschaftlicher Umgang mit der Pandemie bedeutet.
Anmeldung erforderlich [T55] unter anmeldung [at] august-bebel-institut.de.
Ausstellungsführungen mit Künstler*innen: Sa 24. Oktober / Sa 31. Oktober, 15, 16, 17 und 18 Uhr.

Do 22. Oktober, 18.30–20 Uhr | Erfahrungsaustausch (online)
Wo ist die Tür für Migrant*innen und BPoCs in der Politik?

In politischen Gremien und Parteien ist der Anteil von Menschen mit Migrationsgeschichte und BPoCs (Black and People of Color) sehr gering. Zu oft wird die Beteiligung durch Logiken und Verhaltensweisen erschwert, die im Vorhinein kaum zu verstehen sind. Auch klassische Diskriminierung verhindert den Einstieg in die Politik. Über Erfahrungen und Tipps, wie es trotzdem funktionieren kann, wird sich an diesem Abend ausgetauscht. Zudem wird es in Kleingruppen die Möglichkeit geben, seine individuellen Fragen an die Expert*innen zu richten.
Mit: Karen Taylor (Kreisvorstand SPD Friedrichshain-Kreuzberg), Ayten Doğan (Vorsitzende AG Migration und Vielfalt, SPD Tempelhof-Schöneberg), Orkan Özdemir (BVV Tempelhof-Schöneberg)
Anmeldung erforderlich [T41]

Sa 24. Oktober | Sa 31. Oktober, 15, 16, 17 und 18 Uhr
Ausstellung »Tag ein, Tag aus«

Ausstellungsführungen mit Künstler*innen.
Anmeldung erforderlich, max. 8 Teilnehmende pro Veranstaltung. Bei großem Interesse können weitere Führungen angeboten werden [T56 | 57]

Sa 7. November, 15–18 Uhr | Workshop (online)
»Radikal höflich« gegen Rechtspopulismus und Verschwörungserzählungen

In diesem Workshop soll der Umgang mit Rechtspopulismus und Verschwörungserzählungen trainiert werden. Zentral wird dabei das Prinzip der »Radikalen Höflichkeit« sein: eine Haltung, die dabei hilft, Konflikte sachlich und differenziert zu führen, aber Menschen- und Demokratiefeindlichkeit entschieden entgegenzutreten. Im Workshop werden individuelle Erfahrungen mit dem Thema besprochen, Strategien der Gegenrede erörtert und an konkreten Beispielen erprobt.
Mit: Referent*innen von Diskursiv/Kleiner Fünf
Anmeldung erforderlich [T42]

Do 12. November, 18.30–20 Uhr | Diskussion (online)
Neubau, Mietendeckel, Enteignung? 
Strategien gegen die Wohnungsnot
Spätestens seit dem Auslaufen des besonderen Kündigungsschutzes für Mieter*innen in der Corona-Pandemie und der unklaren Verhältnisse beim Thema Mietendeckel hat sich die Frage nach der Bezahlbarkeit von Wohnraum weiter verschärft. Wie kann der Bestand an bezahlbarem Wohnraum effektiv erweitert und gesichert werden? In der Diskussion soll über aktuelle Strategien, deren Wirksamkeit sowie alternative Ansätze diskutiert werden.
Mit: Dr. Matthias Kollatz (Senator für Finanzen in Berlin), 
Ralf Hoffrogge (Sprecher »Deutsche Wohnen & Co. enteignen«)
Anmeldung erforderlich [T43]

Sa 14. November, 11–13 Uhr I Stadtrundgang mit Wohnungsbesichtigung
Die Reichsforschungssiedlung: Sozialer Wohnungsbau für Geringverdiener*innen (1930–1934)
Die Reichsforschungssiedlung in Spandau mit rund 3500 Wohnungen war das größte Experimentierfeld des sozialen Wohnungsbaus im Berlin der frühen 1930er Jahre. Bauhausgründer Walter Gropius, der Architekt Bruno Taut und Stadtbaurat Martin Wagner waren in den Planungsprozess der Siedlung involviert. Gebaut wurde sie nach Plänen u.a. von Paul Mebes, Fred Forbat und Otto Bartning. In der 2003 bis 2013 denkmalgerecht modernisierten Siedlung hat die noch heute existierende Wohnungsbaugesellschaft »Gewobag« eine Museumswohnung eingerichtet, die das Leben von Geringverdiener*innen im sozialen Wohnungsbau um 1931 vergegenwärtigt.
Mit: Michael Bienert (Journalist und Buchautor)
Beitrag 10 € (Ermäßigung möglich)
Max. 15 Teilnehmende. Der Treffpunkt wird nach Anmeldung und Überweisung des Beitrags bekannt gegeben [T52]

Do 03. Dezember, 18.30–20 Uhr | Diskussion (online)
»Die Hälfte des Himmels«? – Erfahrungen aus zwei Generationen – Frauen in der Politik 
vor und nach der Einheit

Im Jahr 1988 beschloss die SPD die Einführung einer Geschlechterquote. Kurz darauf wurde Petra Merkel Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses. Sie stieg in der SPD-Fraktion zur Geschäftsführerin auf. Carolina Böhm, heute Stadträtin für Jugend und Gesundheit, begann bei Petra Merkel ihre Tätigkeit in der Fraktion. Im Momper-Senat 1989 waren die Frauen in der Mehrheit. Wir wirkte sich das auf die Politik aus? Wie war das Verhältnis zwischen Ost- und West-Frauen nach 1990 mit ihren oft unterschiedlichen Erfahrungen? Wo stehen wir heute, wurde die Geschlechtergerechtigkeit nachhaltig gesichert in der Berliner SPD, wie geht es Frauen der nächsten Generation?
Mit: Carolina Böhm (Stadträtin für Jugend und Gesundheit in Steglitz-Zehlendorf) und Petra Merkel (1989–2001 Mitglied des Abgeordnetenhauses, 2002–2013 Mitglied des Bundestags)
Anmeldung erforderlich [T90]

Hinweis zu den Online-Veranstaltungen:
Für die Teilnahme an den Online-Veranstaltungen schicken wir Ihnen nach Anmeldung Informationen zum Zugang und Ablauf zu und können ggfs. entstehende Rückfragen gerne beantworten. Für Kurzentschlossene werden wir die Veranstaltungen auch in einem Live-Stream zur Verfügung stellen. Zu einzelnen Veranstaltungen werden wir zudem Dokumentationen im Nachhinein zugänglich machen.

August Bebel Institut
Bildung · Galerie · Bibliothek
Müllerstraße 163, 13353 Berlin
Anfahrt
U+S-Bhf Wedding, Bus 120
Anmeldung unter anmeldung@august-bebel-institut.de oder Tel. (030) 4692–121.