Juli| August | September 2018

»Ins Abseits blicken«

Ein fotografisches Plädoyer für das Hinsehen von Stefan Weger

Der Fotograf Stefan Weger sucht nach dem, was im Rauschen des Alltags oft untergeht. Zwischen Werbeplakat und Sparkasse, auf dem Weg zur Bibliothek oder nach dem Fußballspiel: überall begegnet uns Obdachlosigkeit. Doch mit Smartphone und Kopfhörer nehmen wir wohnungslose Menschen nicht einmal dann wahr, wenn sie uns ansprechen – sei es wegen ein paar Cent oder wegen einer Zigarette. Stefan Weger will mit seinen Fotografien nicht den moralischen Zeigefinger erheben, sondern unseren Blick öffnen.

Stefan Weger studiert Fotografie an der Ostkreuzschule, u.a. bei Werner Mahler und Tobias Kruse, und arbeitet als Online-Redakteur mit dem Schwerpunkt auf Social Media. Zuletzt beteiligte er sich an der Gruppen-Ausstellung »Perspektivwechsel Ost« im ORi Projektraum in Berlin-Neukölln.

Ausstellung: Fr 24. August bis Sa 22. September 2018
Öffnungszeiten: Mo-Do 14-18 Uhr, Fr 16-20 Uhr

 

 

Begleitveranstaltungen:

Fr 24. August, 19–21 Uhr
Vernissage
Mit: Stefan Weger, Gästen und Musik
Anmeldung erbeten [K50]

Do 6. September, 19–21 Uhr
»Jeder Mensch ist anders«

Über das Leben auf der Straße
Das Grundgesetz garantiert in Artikel 13 die Unverletzlichkeit der Wohnung. Aber wie verhält es sich mit dem Schutz der Privatsphäre, wenn man keine Wohnung hat? Klaus Seilwinder kann davon erzählen, wie er sich damals auf der Straße orientiert hat: den Tag gestalten, Beziehungen pflegen, mit unerwünschter Aufmerksamkeit umgehen, sich einen Schlafplatz einrichten.
»Die Obdachlosen gibt es gar nicht – jedes Schicksal, jeder Mensch ist anders«, sagt er. Hat er sich »im Abseits« gefühlt? Jedenfalls wollte er in seiner wohnungslosen Zeit lieber »unsichtbar« bleiben und sich ungewollter Beachtung entziehen.
Mit: Klaus Seilwinder als Erzähler und Enrico Troebst als Interviewer
Anmeldung erbeten [K51]

Sa 15. September, 11–13 Uhr
»Prekäres Berlin«
Zur Geschichte von Armut und Solidarität

Stadtführung
Wie funktionierte ein Mietstreik? Wo lag die Schrippenkirche? Was ist ein Lausoleum? Und gab es in der Wiesenburg wirklich nur arme Ritter? Auf unserer Stadttour erkunden wir die Geschichte der Armut im Wedding, begleiten stellungslose Dienstmädchen und bettelnde Kriegsinvaliden, erforschen die stetig wiederkehrende Wohnungsfrage und besuchen ein ehemaliges Obdachlosenasyl. Dabei lernen wir auch verschiedene Protestformen und Eigeninitiativen kennen.
Mit: Stefan Zollhauser (Historiker und Medienpädagoge, Berliner Spurensuche)
Anmeldung bis 10. September, Beitrag 5 € [K52]
Der Treffpunkt wird nach Anmeldung bekannt gegeben.

Sa 22. September 19–21 Uhr
Finissage
Mit: Stefan Weger, Gästen und Musik
Anmeldung erbeten [K53]

 

Anmeldung zu den Veranstaltungen unter anmeldung[at]august-bebel-institut.de

 

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Weiteres Programm:

 

Mi 4. Juli, 19–21 Uhr
Grundeinkommen: solidarisch, bedingungslos, unrealistisch?
Die Diskussion um ein Grundeinkommen ist längst in der politischen Mitte angekommen  und beschäftigt Menschen aller sozialen Gruppierungen. Während der Begriff »Grundeinkommen« verschiedenen Konzepten gemein ist, gehen die Vorstellungen über die genaue Ausgestaltung weit auseinander. In unserer Veranstaltung wollen wir das ›solidarische‹ und das ›bedingungslose‹ Grundeinkommen diskutieren und auch Kritiker*innen zu Wort kommen lassen.
Mit: Michael Bohmeyer (Gründer des Vereins »Mein Grundeinkommen«), Robert Drewnicki (Grundsatzreferent in der Senatskanzlei des Landes Berlin), Elisabeth Voß (Betriebswirtin und Publizistin, Schwerpunkt Solidarische Ökonomien, NETZ für Selbstverwaltung und Kooperation Berlin-Brandenburg e.V.)
Anmeldung erbeten [K40]

 

Do 5. Juli 2018, 19–21 Uhr
Post-sozialistische Städte: Street-scapes, Kunst und Aktivismus


Eingezäunt, abgebaut und umbenannt: die Diskurse über den Umgang mit öffentlichen urbanen Räumen – darunter Straßen – begleiten die Transformation post-sozialistischer Städte seit den 1990er Jahren. Vielerorts fehlt ein politischer und gesellschaftlicher Konsens über deren Nutzung. Zahlreiche Fragen sind noch immer offen: Was soll mit dem sozialistischen Erbe geschehen? Wie sieht das Verhältnis zwischen den öffentlichen Räumen und dem öffentlichen Leben aus? Diesen und weiteren Überlegungen geht Eszter Gantner in ihrem Vortrag zum Thema „Post-sozialistische Street-scapes« nach.
Matthias Einhoff zeigt in seinem Vortrag „Kunst und Aktivismus in post-sozialistischen Räumen« Wege zur Reflexion der Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Er zitiert Beispiele aus Uljanovsk (Russland), vom ehemaligen Mauerstreifen in Berlin und berichtet von Aktivitäten Kulturschaffender in Kaunas, Lublin und am Haus der Statistik in Berlin.
Mit: Eszter Gantner (Herder Institut und TACT/GSZ, HU Berlin) und Matthias Einhoff (Künstler, Co-Direktor des Zentrum für Kunst und Urbanistik ZK/U)
Anmeldung erbeten [J54]

 

Do 16. August, 19–21 Uhr
Die »präsidiale« Türkei nach der Wahl: Wie geht es weiter mit der Demokratie?
Ein langer Traum der Neuen Rechten in der Türkei seit Turgut Özal ist wahr geworden: Der Übergang zu einem präsidialen System. Was im Kontext des neoliberalen Projekts als Allheilmittel gesehen wurde, um das Land durch eine starke Exekutive fit für den globalen Wettbewerb zu machen, wurde endlich durchgesetzt. Die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Kosten sind allerdings hoch. Wie geht es nun weiter mit der türkischen Demokratie? Erwartet das Land eine lange Systemkrise oder die »Normalisierung« des Ausnahmezustands? Welche Zukunft hat oppositionelle Politik? Welche Auswirkungen wird der Systemwechsel auf die Beziehungen mit Europa und auf die Bewältigung der Wirtschaftskrise in der Türkei haben?
Mit: Gökhan Tuncer (Politikwissenschaftler); Alphan Tuncer (Politikwissenschaftler)
Anmeldung erbeten [K30]

 

Do 23. August, 19–21 Uhr
Anarchismus: Klassische Theorien und moderne Herrschaftskritik
Herrschaftskritik ist heute weiter verbreitet denn je: Kritik des Patriarchats, der Naturbeherrschung, des Kolonialismus, des Rassismus, des Militarismus. Wo sind die gemeinsamen Wurzeln der Herrschaftskritik? Was können uns die »Klassiker« des Anarchismus zur Bildung einer fundierten Herrschaftskritik vermitteln? Wie inspirieren die Theorien des 19. Jahrhunderts heutige praktische Projekte?
Mit: Jochen Knoblauch (Autor und Herausgeber) und Elisabeth Voß (Betriebswirtin und Publizistin, Schwerpunkt Solidarische Ökonomien, NETZ für Selbstverwaltung und Kooperation Berlin-Brandenburg e.V.)
Anmeldung erbeten [K20]

 

Fr 7. September, 17–20 Uhr
Sa 8. September, 9–18 Uhr
Wie der deutsche Kaiser den Dschihad erfand – und welche Folgen das hatte
Einführungsabend und Exkursion
In Wünsdorf stand die erste deutsche Moschee. Als das deutsche Kaiserreich und das Osmanische Reich im Ersten Weltkrieg verbündet waren, wurden im Militärlager bei Zossen Moslems für den »Dschihad« gegen die Briten ausgebildet. Wir lassen uns die Zusammenhänge erklären und fahren an den historischen Ort, wo wir auf Spurensuche gehen und Originalquellen erforschen.
Leitung: Beate Winzer (Historikerin)
Korreferent am Freitag: Gökhan Tuncer (Politikwissenschaftler)
Die Veranstaltung wird von der Landeszentrale für politische Bildung Berlin gefördert.
Beitrag 10 € inkl. Verpflegung
und Fahrtkosten
Anmeldung bis 3. September [K80]

 

Sa 22. September, 10–17 Uhr
Einführung in die sexismuskritische politische Arbeit
Mit Blick auf uns selbst stellen wir die Frage, was Sexismus mit uns und unserer Arbeit als politisch Engagierte zu tun hat. Wo begegnen wir sexistischen Deutungsmustern und Handlungsweisen in der eigenen Praxis und wie können wir diesen entgegenwirken? Welche Rolle spielen dabei institutionelle Strukturen und unsere Einbindung in diese? Im Workshop bearbeiten wir praxisbezogen, wie sexismuskritische Arbeit in der eigenen Organisation aussehen kann. Ziel ist die kritische Selbstreflexion der eigenen gesellschaftlichen Position und die Sensibilisierung für eigene Privilegien.
Leitung: Josephine Apraku (Afrikawissenschaftlerin) und Jule Bönkost (Amerikanistin und Kulturwissenschaftlerin).
Die Referentinnen leiten das IDB | Institut für diskriminierungsfreie Bildung.
Beitrag: 10 € inkl. Verpflegung und Getränke
Anmeldung bis 17. September [K41]

 

Sa 29. September 2018, 10–17 Uhr
Anders Wohnen – aber wie? 
Hausprojekte, Baugruppen, Genossenschaften
Viele Menschen möchten gerne »anders wohnen« – in einem gemeinschaftlichen Umfeld mit Menschen, die ihren Alltag teilen und sich gegenseitig unterstützen. Wer die finanziellen Möglichkeiten hat, findet leicht eine Baugruppe. Doch welche Möglichkeiten gibt es darüber hinaus für Menschen mit wenig Geld? Wie funktionieren selbstverwaltete Hausprojekte in Berlin und in anderen großen oder kleineren Städten oder auf dem Land? Wie finanzieren sie sich solidarisch? Wie finden sie passende Organisations- und Rechtsformen?
Leitung: Elisabeth Voß (Betriebswirtin und Publizistin, Schwerpunkt 
Solidarische Ökonomien, NETZ für Selbstverwaltung und Kooperation Berlin-Brandenburg e.V.)
Beitrag: 10 € inkl. Verpflegung und Getränke
Anmeldung bis 24. September [K42]