Oktober | November | Dezember 2017

»Welche Revolution(en) werden wir erlebt haben werden?«

Intervention des Instituts für Widerstand im Postfordismus

Revolutionen sind die Lokomotiven der Geschichte« (Karl Marx). Bevor wir 2018 an die Revolution von 1918 erinnern, wollen wir mit Ihnen in unsere revolutionäre Zukunft schauen. Wir haben das »Institut für Widerstand im Postfordismus« (Institut für WiP) in unsere Galerie eingeladen, um ihre Zelte aufzuschlagen und zur Beantwortung der Frage »Welche Revolution(en) werden wir erlebt haben werden? (FUTUR III)« beizutragen.
Das Institut für WiP analysiert, propagiert und prognostiziert die kommenden 15 Jahre, die »zielsicher« auf die Revolution(en) zusteuern. In unserer Galerie entsteht ein Experimentierfeld, das auf die performative Aktivierung lokaler Widerstandspotenziale setzt: In der mobilen Zeltstation können Sie eine Forschungsreise in die Zukunft der Revolution(en) unternehmen. Unter der Prämisse »Es gibt Zukünfte!« fragt das Institut nach wünschbaren Widerständen, Anlässen, Utopien und konkreten Realisierungsansätzen. Forschen Sie mit!
Das Kunstkollektiv »Institut für Widerstand im Postfordismus« ist ein interdisziplinärer Zusammenschluss von Theoretiker*innen, Künstler*innen und Aktivist*innen. In seinen performativen Projekten und Interventionen entwickelt es alternative und zukünftige Geschichtsschreibungen. Konstruktion und Dekonstruktion von Fakten, Fiktionen und Geschichten sind dabei zentrale Mittel.
Unter dem Motto »Wir müssen Gegengeschichte schreiben« (Harald Welzer) wird zur kollektiven Forschung eingeladen. Die Intervention war bereits in verschiedenen Städten zu sehen, u.a. beim SPIELART FESTIVAL 2015, und wird ab der Spielzeit 2017/18 am Theater Vorpommern die Geschichte einer kommenden Revolution erzählen.
Von und mit Inga Anderson, Vega Damm, Elisa Müller, Michi Muchina
Ausstellung:
 14. November bis 1. Dezember. 
Öffnungszeiten: Mo–Do 14–18 Uhr, Fr 16–20 Uhr
Performance:
 Di 14.11., 21.11. und 28.11., 14–18 Uhr, Fr 17.11. und 24.11., 16–20 Uhr. Die Zeltstation ist einzeln begehbar.

Beginn immer zur vollen und halben Stunde. Wir bitten um Anmeldung: anmeldung@august-bebel-institut.de

 

Begleitveranstaltungen:

 

Di 14. November 2017, 19–21 Uhr
Erinnern an die Revolution. 1848–1918–2018

2018 ist ein Jahr revolutionärer Erinnerungen: 100 Jahre Revolution in Deutschland, 200 Jahre Marx und 170 Jahre Revolution von 1848. Daten deutscher und europäischer Demokratiegeschichte. Sie stehen für den epochenübergreifenden Kampf um Freiheit, politische Partizipation und soziale Gerechtigkeit. Berlin war neben anderen Städten in Europa ein Zentrum emanzipatorischer Bewegungen. Wie wollen wir erinnern? Welche Bezüge wollen wir herstellen? Welche Kraft können wir aus der Erinnerung für die aktuellen Kämpfe gegen postfaktische Erzählungen und autoritär-nationalistische Bewegungen in Europa gewinnen?
Mit: Meik Woyke (Archiv der sozialen Demokratie – Friedrich-Ebert-Stiftung), Oliver Gaida (Friedhof der Märzgefallenen)
Anmeldung erbeten [H51]

 

Mi 22. November, 19–21 Uhr
Warten auf die Revolution – Arbeiterbewegung und Sozialismus

Im vierten Teil unserer »theorie.org«-Reihe stellt Ralf Hofrogge seinen Band über die Arbeiterbewegung vor dem Ersten Weltkrieg in Deutschland und Österreich vor. Im Zentrum des Vortrags steht die Herausbildung einer »Protestidentität« der Arbeiter*innen nach der 1848er Revolution. Fokussiert werden die Revolutionshoffnungen und Erwartungen in der sozialistischen Bewegung. Dabei wird auch die These »von der Unmöglichkeit, eine Revolution zu machen, weil sie sich selber macht«, erörtert, die nicht zuletzt bei Karl Kautsky ins »Revolutionäre Abwarten« gipfelte (Attentismus).
Mit: Ralf Hofrogge (Historiker und Autor)
Anmeldung erbeten [H20]

 

Fr 1. Dezember 2017, 20–22 Uhr
Sing und Tanz die Revolution – Mit Sesede Terziyan & Daniel Kahn

Politische Umbrüche und emanzipatorische Bewegungen haben ihre Lieder – ihren Sound. Es hilft, ab und zu mal reinzuhören, sich zu erinnern und zu genießen.
Mit einem großartigen Konzert der Sängerin und Schauspielerin Sesede Terziyan und des Musikers Daniel Kahn in unserer Galerie wollen wir mit Ihnen/Euch das Jahr beenden und uns auf ein revolutionäres 2018 freuen.
Mit Musik von Sesede Terziyan & Daniel Kahn
Anmeldung erbeten [H51]

 

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Weiteres Programm:

 

Do 2. November 2017, 19–21 Uhr
Vorkaufsrecht als Wohnungspolitik– Erfahrungen und Perspektiven

Der Berliner Wohnungsmarkt wird immer umkämpfter. Die wachsende Stadt wird zunehmend Objekt von Spekulant*innen, die das große Geld wittern. Zuerst war es der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg, der sein Vorkaufsrecht wahrnahm, um Wohnhäuser oder potenzielle Flächen für Wohnungsbau der Profitgier zu entziehen. Mittlerweile hat der Berliner Senat ein Gesamtkonzept für die Wahrnehmung des Vorkaufsrechts vorgelegt. Wir diskutieren, welche Erfahrungen bisher gemacht wurden und was das Konzept in Zukunft bewegen kann.
Mit: Florian Schmidt (Bezirksstadtrat in Friedrichshain-Kreuzberg) und Ülker Radziwill (Stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Vorsitzende des Ausschusses für Stadtentwicklung und Wohnen)
Anmeldung erbeten [H40]

 

DIE VERANSTALTUNG IST AUSGEBUCHT!
Sa 4. November 2017, 11–15 Uhr
Wohnungsgenossenschaften vor Ort (12)

Eine Bustour durch den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf

Charlottenburg und Wilmersdorf lagen im ausgehenden 19. Jahrhundert noch außerhalb Berlins. Hier fanden mehrere Genossenschaften geeignetes Bauland, um dem Elend der Mietskasernen in der Stadt ihre modellhaften Wohnanlagen entgegenzuhalten. Von diesem Ausgangspunkt aus lässt sich in diesem Bezirk gut die Entwicklung der Genossenschaften über die baulichen Epochen hinweg nachverfolgen und zeigen, was sie ihren Mitgliedern neben dem reinen Wohnen sonst noch alles bieten.
Mit: Barbara König (Genossenschaftsforum e.V.)
Beitrag: 10 €
Anmeldung bis 30. Oktober [H41]

 

Sa 18. November 2017, 10–17 Uhr
Anders Wohnen – aber wie?

Selbstverwaltete Hausprojekte und Genossenschaften

Viele Menschen möchten gerne »anders wohnen« – in einem gemeinschaftlichen Umfeld mit Menschen, die ihren Alltag teilen und sich gegenseitig unterstützen. Wer die finanziellen Möglichkeiten hat, findet leicht eine Baugruppe. Doch welche Möglichkeiten gibt es darüber hinaus für Menschen mit wenig Geld? Wie funktionieren selbstverwaltete Hausprojekte in Berlin und anderen großen oder kleineren Städten oder auf dem Land?
Leitung: Elisabeth Voß (Betriebswirtin und Publizistin, 
Schwerpunkt Solidarische Ökonomien, NETZ für Selbstverwaltung und Kooperation Berlin-Brandenburg e.V.)
Beitrag: 10 € inkl. Verpflegung und Getränke
Anmeldung bis 13. November [H42]

 

 

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Juli 2017 bis April 2018
 »Not about us without us«
Politische Bildung zu den Völkermorden 
im 20. Jahrhundert

Fortbildung von Multiplikator*innen der 
politischen Bildung (mit Zertifikat), gefördert durch die Stiftung Erinnerung Verantwortung Zukunft
Das August Bebel Institut wird in den kommenden Monaten eine Gruppe von zwölf Multiplikator*innen in der politisch-bildnerischen Vermittlung von Völkermorden des 20. Jahrhunderts ausbilden.
Der Holocaust an den europäischen Juden und der Völkermord an den Roma während des Nationalsozialismus, die diesen vorausgehenden Genozide an Herero und Nama in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika (1904–1908), heute Namibia, sowie der Völkermord an den Armenier*innen im Osmanischen Reich (1915/16) sind Thema des Fortbildungsprogramms. Es handelt sich um Völkermorde, die Teil deutscher Geschichte sind. Es wird nach Ursachen, Zusammenhängen und Verflochtenheit gefragt.
Uns ist dabei wichtig, dass Geschichte nicht nur aus Sicht einer deutschen Geschichte erzählt wird, sondern die Erzählungen und Sichtweisen der Nachfahren miteinschließt. Historische Erzählung wird nur vollständig, wenn sie die Sicht der Betroffenen und insbesondere auch der Widerstandsperspektiven wiedergibt.
Die Ausbildung umfasst einführende inhaltliche Workshops, Methodenworkshops zu Seminaren und Stadtführungen, die Organisation von Tagungen, Aktionen zum Internationalen Genozidtag im Dezember 2017 und die Erstellung einer Ausstellung, die im März 2018 in der Galerie des August Bebel Instituts gezeigt wird.

Kooperationspartner: Museum Mitte, AKEBI e.V., Berlin Postkolonial e.V. u.a.
Es wird eine geringfügige Aufwandsentschädigung gezahlt.
Informationen und Bewerbung: Reinhard Wenzel, 
wenzel@august-bebel-institut.de, Tel. (030) 4692 129

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