August | September | 2020

Stadt
Kultur
Geschichte

Liebe Freundinnen und Freunde des ABI!

Nach Monaten des Lockdowns, sozialer Distanzierung und Ungewissheit können wir endlich wieder politische und historische Bildungsangebote anbieten.
Aufgrund der Pandemie konzentriert sich auch unser Institut verstärkt auf die Arbeit online- und per Livestream. Wir hoffen, damit auch neue Interessierte anzusprechen, freuen uns allerdings ebenso auf unsere Stammgäste. Diskussionsveranstaltungen und Seminare wie sie bisher üblich waren, sind bis auf Weiteres nicht in der gewohnten Form durchzuführen. Neben den erwähnten Online-Veranstaltungen bieten wir in den nächsten Monaten auch wieder verschiedene thematische Stadtrundgänge an.
Bis Ende September zeigen wir in unserer Galerie noch einmal die ebenso schöne wie lehrreiche Ausstellung, die 2013 zum 100. Todestag August Bebel gestaltet wurde und nun unter dem neuen Titel »180 Jahre August Bebel – Forever Young?!« ein Revival erfährt. Altbekannte Fragen stellen sich dabei und erfordern neue, moderne Antworten. Auf unserer Homepage und in den Sozialen Netzwerken kann man sich dazu nachhaltig informieren; in Form kleiner Vorträge des ABI-Teams und Bebel-Kenner*innen, werden unterschiedliche Facetten von Bebels Leben und Wirken beleuchtet. Dabei erfahren wir nicht zuletzt, wie aktuell die »alten« Debatten über Homosexualität, Kolonialismus, Geschlechterfragen oder das Bürgerliche Gesetzbuch sind – und wie sperrig sie manchmal bei uns ankommen.
Unsere Stadtrundgänge nehmen das Thema »100 Jahre Groß-Berlin« auf. Ein Schwerpunkt liegt bei Themen der Ausstellung, die wir ab Oktober im Roten Rathaus zeigen werden: »Dirigent der Großstadt – Martin Wagner und das neue Berlin«. In seiner Zeit als Stadtbaurat Berlins 1926-1933 führte Wagner vor, was mutige Utopien in einer Metropole bewegen können. Davon zeugen noch heute der Alexanderplatz, der Herrmannplatz, viele Stadtbäder und natürlich die Siedlungen, von denen die wichtigsten heute zum Weltkulturerbe zählen.
Darüberhinaus möchten wir in den Online-Veranstaltungen gemeinsam mit Ihnen in die Reflexion über die Corona-Problematik einsteigen. Während des Sommers und auch im Herbst wollen wir dabei die Folgen für Gesellschaft, Wirtschaft und Politik diskutieren. Wir wollen ebenso genau wie unaufgeregt nachfragen, was sich in den letzten Monaten verändert hat, was jetzt zu tun ist und welche Chancen womöglich die Krise für die Zukunft eröffnen kann.

Wir freuen uns auf interessante Veranstaltungen.

180 Jahre August Bebel – Forever Young?!
Ausstellung in der Galerie des August Bebel Instituts
Öffnungszeiten: Di–Fr 14-18 Uhr

Do 6. August, 18–20 Uhr | Webtalk
Der lebendige Bebel
Politische Bewegungen fragen sich immer wieder: Sind wir noch auf der Höhe der Zeit? Was ist die richtige Forderung oder Position, die auch in Zukunft noch tragfähig ist? August Bebel, der vor mehr als hundert Jahren lebte, war in vielen Fragen seinen Zeitgenoss*innen voraus. Sein Buch »Die Frau und der Sozialismus« propagierte bereits 1879 die Gleichheit der Geschlechter. Auch hinsichtlich Demokratie, Religion oder Kolonialismus – August Bebel hatte klare politische Vorstellungen, um der Würde des Menschen zu ihrem Recht zu verhelfen. Was können wir im 21. Jahrhundert davon lernen?
Mit: Tobias Kühne (Historiker) und Gisela Notz (Historikerin)
Anmeldung erforderlich. [S50]

Stadterkundungen

100 Jahre Groß-Berlin 
1920 – 2020

Der Rote Wedding – Rund um den Nettelbeckplatz
Im Rahmen eines Projekts, das die Landeszentrale für politische Bildung 2019 förderte, erarbeitete das ABI gemeinsam mit dem Tageszentrum »Wiese 30« der KBS e.V. einen Stadtrundgang. Die Resonanz war so überwältigend, dass der Rundgang deshalb wieder durchgeführt wird. Da der gesamte Rundgang sehr komplex ist, wird er in zwei Hälften geteilt. Die Termine im August stehen bereits fest; bei großem Interesse können für September und Oktober weitere Termine festgelegt werden.

Mi 5. August, 18–20 Uhr
Der Rote Wedding zwischen Elend und sozialem Engagement
Der Wedding war schon im Kaiserreich Inbegriff sozialen Elends. Es gab aber auch Einrichtungen wie das Obdachlosenheim »Wiesenburg«, das Ledigenheim und besonders sozial engagierte Menschen wie den Stadtarzt Georg Benjamin, der sich um die Ärmsten der Armen kümmerte und heute völlig zu Unrecht im Schatten seines berühmten Bruders steht. [S80]

Mi 12. August, 18–20 Uhr
Der Rote Wedding zwischen Arbeitermilieu und sozialem Wandel
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich im Wedding eine widerständige Gesellschaft, die verschiedene Parteien, aber auch Freidenker*innen und Literaten*innen hervor brachte. Ende der 1920er-Jahre waren hier die Kommunisten tonangebend. Nach 1945 wandelte sich das Viertel in einen sozialdemokratisch geprägten »Roten Wedding«. Das alte Milieu verschwand zugunsten neuer Häuser und Stadtstrukturen. [S81]

Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung aber unbedingt erforderlich. Die Treffpunkte werden nach Anmeldung bekannt gegeben.
 Max. 10 Teilnehmende pro Veranstaltung.


Mi 19. August, 18-20 Uhr
Der Alex – ein Weltstadtplatz für Groß-Berlin | Stadtrundgang

Schon bald nach der Gründung von Groß-Berlin im Jahr 1920 verwandelte sich der Alexanderplatz in eine gigantische Dauerbaustelle. Stadtbaurat Martin Wagner wollte nicht nur den Durchfluss des Stadtverkehrs beschleunigen, sondern »das Formproblem eines Weltstadtstadtplatzes« vorbildhaft lösen. Wegweisende Architektur verlieh dem Platz ein neues Gesicht. Die Riesenbaustelle inspirierte Alfred Döblin zum bedeutendsten deutschen Großstadtroman und schuf einen Mythos, der den Weltruhm des Platzes begründete. Eine Spurensuche über und unter der Erde.
Mit: Michael Bienert (Journalist und Buchautor)
Beitrag: 10 € (Ermäßigung möglich)
Max. 15 Teilnehmende. Bei großem Interesse kann die Veranstaltung wiederholt werden.
Der Treffpunkt wird nach Anmeldung und Überweisung des Beitrags bekannt gegeben. [S82]

Sa 22. August, 15.30–17.30 Uhr
Die Rationalisierung der Freizeit: Das Strandbad Wannsee | Rundgang

Seit 1907 lädt das Strandbad Wannsee zum Baden ein. Nach der Bildung Groß-Berlins sorgte Stadtbaurat Martin Wagner mit seinem Architekten Richard Ermisch 1929/30 für eine Neugestaltung, die eine bessere Nutzung für große Massen von Menschen ermöglichte. Ein zukunftsweisendes Modell?
Mit: Matthias Oloew (Historiker, Kunstwissenschaftler, Pressesprecher der Berliner Bäderbetriebe)
Beitrag: 10 € (Ermäßigung möglich)
Max. 15 Teilnehmende.
Der Treffpunkt wird nach Anmeldung und Überweisung des Beitrags bekannt gegeben. [S83]

Sa 12. September, 10–12 Uhr
Großsiedlung Siemensstadt – Der Beitrag von Gropius und Scharoun zum Wohnungsbau | Stadtrundgang

Unter den Siedlungen, die zum Weltkulturerbe gehören, enthält die Großsiedlung Siemensstadt interessante Beiträge berühmter Architekten: Gropius, Scharoun, Salvisberg, Hering und Poelzig haben sich hier verewigt. Unter Regie des Stadtbaurats Martin Wagner wurden auf höchstem architektonischem Niveau Antworten auf die Wohnungsnot gegeben: moderne, bezahlbare Wohnungen mit Küchen, Bädern und Balkonen, in Häusern ohne Hinterhof und Seitenflügel, dafür mit Licht, Luft und Sonne. Die qualitätsvolle Baukunst, die Formensprache, die Wohnungsgrundrisse und die städtebaulichen Figuren der Siedlungen wurden zum Vorbild für das ganze 20. Jahrhundert. Auch »Ringsiedlung« genannt, zeigt sie die ganze Spannbreite des Bauens in der klassischen Moderne.
Mit: Andreas Gudath-Wengenroth (Dozent für Erwachsenenbildung)
Beitrag: 10 € (Ermäßigung möglich)
Max. 15 Teilnehmende.
Der Treffpunkt wird nach Anmeldung und Überweisung des Beitrags bekannt gegeben. [S84]

Sa 19. September, 10–12 Uhr
Die Hufeisensiedlung – eine Ikone des Reformwohnungsbaus | Stadtrundgang

2008 wurden sechs »Siedlungen der Berliner Moderne« gemeinsam als UNESCO-Welterbe eingetragen. Sie gelten als Berlins wichtigster Beitrag zur Architekturgeschichte und entstanden als politisch klug eingefädelte Antwort auf die grassierende Wohnungsnot des frühen 20. Jahrhunderts. Von ihnen ist die 1925-1930 maßgeblich von Bruno Taut im Auftrag der GEHAG geplante Hufeisensiedlung sicher die berühmteste. Sie umfasst knapp 2000 Wohneinheiten und gruppiert sich um eine 350 Meter lange hufeisenförmig gebogene Zeile. Die Führung geht auf die Bau-, Zeit- und Sozialgeschichte ein und berücksichtigt auch Aspekte des Denkmalschutzes und die Folgen der seit 2000 fortschreitenden Umwandelung in Einzeleigentum. Am Ende der Führung werden auch Innenräume zu sehen sein.
Mit: Ben Buschfeld (Inhaber von »Tautes Heim«; Gestalter und Autor u.a. von »Bruno Tauts Hufeisensiedlung« sowie verschiedener Websites und Ausstellungen zum Thema)
Beitrag: 10 € (Ermäßigung möglich)
Max. 15 Teilnehmende.
Der Treffpunkt wird nach Anmeldung und Überweisung des Beitrags bekannt gegeben. [S85]

Sa 26. September, 11–13 Uhr
Weltkulturerbe im Wedding: Die Siedlung Schillerpark | Stadtrundgang

Die von Bruno Taut entworfene Siedlung Schillerpark galt 1924 als Auftakt des Neuen Bauens in Berlin. In Kooperation mit dem von Martin Wagner initiierten gemeinwirtschaftlichen Gehag-Verbund und dem Berliner Spar- und Bauverein (heute: Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 eG) entstand eine modellgebende Wohnanlage, die mit ergänzenden Bauten der Nachkriegsmoderne als Gesamtensemble unter Denkmalschutz steht. Die Synthese aus Architektur, sozial-kulturellen Ansätzen und der Verknüpfung mit dem Außenraum zeigen bis heute die Qualitäten der genossenschaftlichen Gemeinschaftsidee.
Mit: Renate Amann (Architektin)
Beitrag: 10 € (Ermäßigung möglich)
Max. 15 Teilnehmende.
Der Treffpunkt wird nach Anmeldung und Überweisung des Beitrags bekannt gegeben. [S86]


Corona – ein Virus spaltet die Gesellschaft

Do 20. August, 18.30–20 Uhr | Diskussion (online)
»Irgendwer muss doch Schuld sein?!« Corona und Rassismus

Ob bei den »Hygiene-Demos« oder im virtuellen Raum – die Vorstellung von »Schuldigen« der Corona-Pandemie greift häufig auf rassistische und antisemitische Erklärungsmuster zurück. Durch solche Narrative motiviert, kommt es auch zu Übergriffen und Diskriminierungen auf offener Straße. Anhand eines Thesenpapiers des Bundesverbands mobile Beratung e.V. sprechen wir zunächst über die Strategien rechter Akteur*innen und wollen Gegenstrategien von Verantwortlichen in der Politik diskutieren. In einem zweiten Teil soll der Blick auf die Zivilgesellschaft und mögliche Handlungsstrategien gerichtet werden.
Mit: Anna Müller (Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin), Lena Cornelius (Trainingskoordinatorin, »LOVE-Storm – Gemeinsam gegen Hass im Netz«), Caroline Morfeld (Kleiner Fünf / Tadel Verpflichtet! e.V.)
Anmeldung erforderlich. [S40]

Do 27. August, 18.30–20 Uhr | Diskussion (online)
Schule in der Pandemie

Die Corona-Pandemie hat den Schulbetrieb besonders stark getroffen. Die vergangenen fünf Monate stellten den gesamten Schulbetrieb vor enorme Herausforderungen. Das Schuljahr 2020/2021 soll wieder im Normalbetrieb stattfinden. Wie kann ein »normal« in Zeiten einer andauernden Pandemie aussehen? Welche Positionen vertreten Schüler*innen, Eltern, Lehrkräfte, Schulleitungen und die Bildungspolitik und -verwaltung? Ausgehend von den aktuellen Erfahrungen und den Ergebnissen einer Expert*innenkommission der Friedrich-Ebert-Stiftung, wollen wir diese Fragen diskutieren.
Mit: Dr. Maja Lasić (Mitglied des Abgeordnetenhauses), Burkhard Jungkamp (Staatssekretär a.D. und Moderator des Netzwerk Bildung der Friedrich-Ebert-Stiftung), Miguel Góngora (komm. Vorstand Landesschüler*innenausschuss)
Anmeldung erforderlich. [S41]

Do 10. September, 18.30–20 Uhr | Vortrag (online)
Corona »beispiellos«? Ein Blick in die Geschichte

Zu Beginn der Corona-Pandemie schienen viele Menschen die Bedrohung nicht ernst zu nehmen. Verschwörungserzählungen prägen auch jetzt noch den Diskurs. Andererseits wird für die Post-Corona-Zeit auch Hoffnung verbreitet, gesellschaftliche Änderungen zu wagen. Welche gesellschaftlichen Reaktionen auf den Ausbruch einer Pandemie lassen sich in der Vergangenheit beobachten und was können wir daraus lernen? Ausgehend von einem Vortrag über den Verlauf der Cholera im Berlin des 19. Jahrhunderts und begleitende staatliche Maßnahmen, möchten wir diese Fragen diskutieren.
Mit: Beate Winzer (Historikerin)
Anmeldung erforderlich. [S42]

Do 24. September, 18.30–20 Uhr | Diskussion (online)
Zukunft der Beteiligung – Bürger*innenräte und Digitalisierung

Die Corona-Pandemie beeinflusst alle Sphären des gesellschaftlichen und individuellen Lebens, auch unsere Demokratie steht auf dem Prüfstand. Zur Bewältigung der Folgen der Pandemie wird häufig auf Expert*innenmeinungen verwiesen. Andererseits werden auch Forderungen laut, die Bevölkerung selbst mehr einzubinden bei der Frage: »Wie soll es eigentlich weiter gehen?«. Daher wollen wir diskutieren, wie die Zukunft von Beteiligung aussehen kann. Hierfür werden wir uns mit dem Format der »Bürger*innenräte« auseinandersetzen und auch digitale Beteiligungsformate diskutieren, die in der Pandemie erprobt wurden und werden.
Mit: Jacob Birkenhäger (IFOK), Sasa Raber (Expertin für Liquid Democracy und Partizipation), Yannick Haan (Mitbegründer »OV Quarantäne«)
Anmeldung erforderlich. [S43]

Hinweis zu den Online-Veranstaltungen:
Für die Teilnahme an den Online-Veranstaltungen schicken wir Ihnen nach Anmeldung Informationen zum Zugang und Ablauf zu und können ggfs. entstehende Rückfragen gerne beantworten. Für Kurzentschlossene werden wir die Veranstaltungen auch in einem Live-Stream zur Verfügung stellen. Zu einzelnen Veranstaltungen werden wir zudem Dokumentationen im Nachhinein zugänglich machen.

Anmeldung zu den Veranstaltungen unter anmeldung[at]august-bebel-institut.de