Juli | August | September 2021

Stadt
Kultur
Geschichte

Liebe Freund*innen des ABI!

Auch in diesem Sommer bieten wir wieder ein vielfältiges und spannendes Programm. Doch es gibt einige Unterschiede zu dem, was wir sonst machen. Aufgrund der noch andauernden Pandemie finden unsere Veranstaltungen weiterhin überwiegend online statt. Auch die Stadtführungen werden, wenn die Corona-Lage sich verschlechtert, online angeboten. Zudem prägen die Ende September bevorstehenden Wahlen unser Programm. Mit verschiedenen Veranstaltungen geben wir Gelegenheit, sich auf diese vorzubereiten. Der Wahlkampf hat allerdings auch dazu geführt, dass wir unsere Galerie nicht nutzen und leider bis Oktober keine Ausstellung zeigen können.
Wir hoffen sehr, dass auch in diesem Programm für viele Interessen etwas angeboten wird und freuen uns auf ein Wiedersehen!

Reinhard Wenzel | Geschäftsführer
Lorenz Schwochow | Bildungsreferent

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theorie.org
Do 29. Juli, 18.30–20 Uhr | Online-Buchvorstellung
Antonio Gramscis politisches Denken

Viele Politikerinnen und Theoretikerinnen werden schnell vergessen. Manche Namen bleiben bekannt, ihre Politik und ihre Gedanken weniger – z.B. Ernst Thälmann, Vorsitzender der KPD am Ende der Weimarer Republik. Antonio Gramsci aber, Mitbegründer und vorübergehend Vorsitzender der Kommunistischen Partei Italiens in den 1920er Jahren, wird in linken Bewegungen noch heute intensiv und kontrovers diskutiert – bedauerlicherweise sogar in der rechten Szene. Was macht ihn so interessant?
Er ergänzte die marxistische Revolutionstheorie um den Begriff der Kulturellen Hegemonie. Es reiche nicht, so Gramsci, dass der Kapitalismus zusammenbricht oder die Regierung revolutionär beseitigt wird. Gleichzeitig müsse die Hegemonie in den Köpfen der Menschen, im geistigen und kulturellen Bereich, hergestellt werden.
Wir blicken zurück auf Gramscis Leben, sein politisches Wirken, seine Werke und erklären das Hegemoniekonzept und was es für das Kulturleben heute bedeuten kann.
Mit: Johannes Bellermann (Autor), Ingo Arend (Kulturjournalist)
Moderation: Kasia Wojcik (Dramaturgin)
Anmeldung erforderlich [W20]

Stadtpolitik
Sa 7. August, 10–15 Uhr | Online-Workshop
Rassismuskritik: Weißsein, Privilegien und Verantwortung
Der Workshop bietet einen Einstieg in rassismuskritisches Denken und richtet sich an Menschen aus der weißen Mehrheitsgesellschaft. Was bedeutet es weiß zu sein in einer Gesellschaft, die strukturell rassistisch ist? Welche Privilegien haben weiße Menschen und wie wirken sich diese auf den Alltag, den Arbeitsplatz, aber auch auf soziales Engagement aus? Welche Möglichkeiten ergeben sich daraus, eben diese Privilegien zu nutzen um ein Stück Verantwortung für mehr Gleichheit und Gerechtigkeit zu übernehmen? Der Workshop wird aus der Perspektive einer weiß positionierten Person durchgeführt.
Mit: Timo Galbenis-Kiesel (Machtkritische Trainings, Beratung, Prozessbegleitung)
Max. 15 Teilnehmende.
Anmeldung erforderlich [W40]

108. Todestag August Bebels
Fr 13. August, 18.30–20 Uhr | Online-Buchvorstellung
Womit bekämpft man erfolgreich Antisemitismus?
»Im Schatten August Bebels – Sozialdemokratische Antisemitismusabwehr als Republikschutz 1918-1932«
In den frühen Jahren der Weimarer Republik argumentierte die Sozialdemokratie erfolgreich gegen den Antisemitismus der Deutschnationalen. Am Ende der 1920er Jahre richtete sie die erprobten Argumente gegen die NSDAP. Doch diesmal blieb der Effekt aus. Die Beobachtung verweist auf eine zentrale Frage: Warum verlieren politische Argumente ihre Überzeugungskraft? 
Mit: Christian Dietrich (Historiker, Autor) und N.N.
Anmeldung erforderlich [W80]

Internationales
Do 23. Sept., 18.30–20 Uhr | Online-Vortrag
Demokratie oder Barbarei? Perspektiven der Protestbewegung in Myanmar
An diesem Abend möchten wir über die Demokratieentwicklung und aktuelle Dynamiken der Protestbewegung in Myanmar informieren. Trotz der totalitären Geschichte Myanmars, erscheint die aktuelle Bewegung in Formen und Ausdruck erstaunlich nah an anderen weltweit beobachtbaren Demokratiebewegungen zu stehen – jung, über soziale Medien vernetzt, inklusiv, etc. Welche Perspektiven bieten sich diesen demokratischen Bestrebungen in einer so diversen, von Konfliktlinien geprägten Gesellschaft? (Wie) Kann das Erbe der Militärdiktatur überwunden werden?
Mit: Mandy Fox (Projektreferentin zu Myanmar/Thailand, Stiftung Asienhaus, Köln), Henri Myrttinen (Freier Fotojournalist und Protestforscher)
Anmeldung erforderlich [W30]

24. September bis 4. Oktober | Bildungsexkursion 
Klimawandel: Reicht unser Schienennetz für das Ziel der Klimaneutralität im Verkehr?
Die klimapolitischen Ziele Deutschlands lassen sich nur erreichen, wenn auch das deutsche Nebenstreckennetz der Bahn modernisiert und der grenzüberschreitende Verkehr attraktiver gemacht werden. Wir besuchen regionale Initiativen, die stillgelegte Strecken reaktiviert oder Lösungen zur Revitalisierung des grenzüberschreitenden Schienenverkehrs entwickelt haben. Schlusspunkt bildet der Besuch des größten europäischen Schienenprojekts: der Fehmarnbelt-Tunnel. Mit dem Projekt soll die Bahn (auch von Berlin) nach Skandinavien wieder eine Alternative zum Fliegen werden. Unsere Bildungsveranstaltung beginnt mit einem Workshop in Berlin; nicht zuletzt mit einem Blick auf die notwendige Politikkorrektur der neuen Bundesregierung. Ab 25.9. beginnt eine Rundreise durch Deutschland sowie der holländischen Grenzstadt Enschede. 
Voraussetzung: Kenntnisse in der Verkehrs- und Klimaschutzpolitik.

Leitung: Jürgen Murach (Verkehrswissenschaftler)
Beitrag: 965 € + EZ Zuschlag (inklusive Bahnfahrten, Hotels und Transfers).
Anmeldung bis 1. August [W45]

BERLIN ZU FUSS / STADTPOLITIK

Mi 1. September, 18–20 Uhr | Stadtrundgang
Die Siedlung Freie Scholle
1895 gründet der Architekt und Lebensreformer Gustav Lilienthal die Wohnnungsbaugenossenschaft Freie Scholle zu Berlin eG. Rechts und links des Waidmannsluster Damms entsteht zwischen dem Tegeler Fließ und dem Packereigraben die Siedlung Schollenhof. Über 400 Wohnungen errichtet die Genossenschaft in den Jahren von 1900 bis 1932, zuerst nach den Plänen Lilienthals und anderer Architekten, später kam noch Bruno Taut hinzu. Von Anfang an geht die Genossenschaft neue Wege im Wohnungsbau. Insbesondere die Bauten Tauts bringen das Neue Bauen nach Reinickendorf.
Mit: Gerhild Komander (Kunsthistorikerin und Historikerin)
Beitrag 10 € (Ermäßigung möglich)
Max. 15 Teilnehmende. Der Treffpunkt wird nach Anmeldung und Überweisung des Beitrags bekannt gegeben [W83]

Sa 4. September, 11–13 Uhr I Stadtrundgang mit Wohnungsbesichtigung
Die Reichsforschungssiedlung: Sozialer Wohnungsbau für Geringverdiener*innen (1930–1934)
Die Reichsforschungssiedlung in Spandau mit rund 3500 Wohnungen war das größte Experimentierfeld des sozialen Wohnungsbaus im Berlin der frühen 1930er Jahre. Bauhausgründer Walter Gropius, der Architekt Bruno Taut und Stadtbaurat Martin Wagner waren in den Planungsprozess der Siedlung involviert. Gebaut wurde sie nach Plänen u.a. von Paul Mebes, Fred Forbat und Otto Bartning. In der 2003 bis 2013 denkmalgerecht modernisierten Siedlung hat die noch heute existierende Wohnungsbaugesellschaft »Gewobag« eine Museumswohnung eingerichtet, die das Leben von Geringverdienerinnen im sozialen Wohnungsbau um 1931 vergegenwärtigt.
Mit: Michael Bienert (Journalist und Buchautor)
Beitrag 10 € (Ermäßigung möglich)
Max. 15 Teilnehmende. Der Treffpunkt wird nach Anmeldung und Überweisung des Beitrags bekannt gegeben [W84]

Stadtrundgänge
Der Rote Wedding – Rund um den Nettelbeckplatz
Im Rahmen eines Projekts erarbeitete das August Bebel Institut gemeinsam mit dem Tageszentrum »Wiese 30« einen Stadtrundgang. Die Resonanz war überwältigend. Der Rundgang wird deshalb wieder durchgeführt. Der gesamte Rundgang ist allerdings sehr inhaltsreich. Deshalb wird er in zwei Hälften geteilt.

Sa 25. September, 11–13 Uhr
Der Rote Wedding zwischen Elend und sozialem Engagement
Der Wedding war schon im Kaiserreich Inbegriff sozialen Elends. Es gab aber auch das Obdachlosenheim »Wiesenburg«, das Ledigenheim und Menschen wie den Stadtarzt Georg Benjamin, die sich um die Ärmsten der Armen kümmerten. [W81]

Sa 25. September, 14.30–16.30 Uhr
Der Rote Wedding zwischen Arbeitermilieu und sozialem Wandel
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich im Wedding eine widerständige Gesellschaft, die Parteien, aber auch Freidenkerinnen und Literatinnen hervorbrachte. Ende der 1920er Jahre waren hier die Kommunist*innen tonangebend. Nach 1945 wandelte sich das Viertel in einen sozialdemokratisch gefärbten »Roten Wedding«. Das alte Milieu verschwand zugunsten neuer Häuser und Stadtstrukturen. [W82]

Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung aber unbedingt erforderlich. Der Treffpunkt wird mit der Teilnahmebestätigung bekannt gegeben. Max. 10 Teilnehmende pro Veranstaltung. Es ist nicht möglich, sich zu beiden Rundgängen anzumelden.
Die Stadtführungen werden im Rahmen des Projekts »Der Bunte Wedding« von der Berliner Landeszentrale für politische Bildung gefördert.

BERLIN IN DER DISKUSSION / STADTPOLITIK

Do 19. August, 18.30–20 Uhr | Online-Vortrag
Berlin hat die Wahl
Wer punktet im modernen, digitalen Wahlkampf? Wie werden potentielle Wähler*innen in Zeiten der Pandemie erreicht? 38 Tage vor dem großen Berliner Wahltag bekommen wir einen Einblick in wissenschaftliche Analysen zur Wahl. Gemeinsam wollen wir den Blick in die Glaskugel wagen, die Wahlprognosen besprechen und mögliche Koalitionsbildungen diskutieren.
Mit: Thorsten Faas (Wahlforscher, Freie Universität Berlin)
Anmeldung erforderlich [W41]

Do 26. August, 18.30–20 Uhr | Online-Diskussion
Wer nimmt die Klimakrise ernst? Klimaaktivist*innen zu den Wahlprogrammen
Die erfolgreiche Verfassungsbeschwerde zum Klimaschutzgesetz vor dem Bundesverfassungsgericht hat erneut bewiesen, was schon lange auf der Hand liegt: nur durch den beständigen Druck der jungen Generation ist nachhaltige Klimapolitik zu erwarten. Daher wollen wir im Vorfeld der Wahlen jungen Klimaaktivist*innen das Wort geben. Welche Forderungen stellen sie an die Berliner Politik, was genau meinen sie mit Klimagerechtigkeit? Wie schätzen sie die Wahlprogramme der Parteien zur Bekämpfung der Klimakrise ein?
Mit: Klara Kramer und Ada Spieß (Fridays for Future Berlin), Anna Kostreva (Architektin, Runder Tisch Sprengelkiez)
Anmeldung erforderlich [W42]

Mo 30. August, 18.30–20 Uhr | Online-Diskussion
Kleingärten, Urban Gardening & Co.: Wer kümmert sich um ein grünes Berlin?
Berlins Gärten, von Kleingartenanlagen bis Gemeinschafts- und Kiezgärten, prägen seit Jahrzehnten das Stadtbild. Sie sind Orte der sozialen Vernetzung sowie der ökologischen Bildung, und leisten inmitten einer wachsenden Stadt einen wichtigen Beitrag zum Stadtklima. Doch die Existenz jener grüner Oasen ist, in einer Stadt, die mit einer akuten Wohnungsknappheit zu kämpfen hat, eine Frage des Platzes.
Wir werfen einen Blick auf die Pläne der Berliner Politik für Kleingärten, Urban Gardening und Co. Wie gelingt eine sozial und ökologisch nachhaltige Entwicklung der Stadt? Wie ist die Sicherung urbaner Gärten mit den drängenden Fragen der Wohnungskrise vereinbar? Wie leben, entspannen und gärtnern Berliner*innen in Zukunft?
Mit: Daniel Buchholz (Mitglied des Abgeordnetenhauses), Viola Kleinau (Vorsitzende der Gartenfreunde Pankow) und Michael Grosch (Himmelbeet)
Anmeldung erforderlich [W43]

Do 9. September, 18–20 Uhr | Online-Diskussion
Eine soziale Stadt? – Soziale Bewegungen zu den Wahlprogrammen
Armut und Ungleichheit sind in Berlin allgegenwärtig. Wohnungsnot, Obdachlosigkeit, Langzeitarbeitslosigkeit, Bildungsungerechtigkeit – die Stadt hat viele Baustellen, die von der Politik bearbeitet werden müssen. Wir vergleichen die Wahlprogramme der Berliner Parteien und lassen Soziale Bewegungen und Organisationen ihre Sicht darstellen, welches Programm die Probleme am besten angeht.
Mit: Christian Hoßbach (Vorsitzender des DGB Berlin-Brandenburg), Kirstin Wulf (Initiative »Wir kommen wählen« der Landesarmutskonferenz Berlin), Jörg Richert (Vorstand der KARUNA Sozialgenossenschaft)
Anmeldung erforderlich [W44]

Hinweis zu den Online-Veranstaltungen:
Für die Teilnahme an den Online-Veranstaltungen schicken wir Ihnen nach Anmeldung Informationen zu Zugang und Ablauf und werden ggfs. entstehende Rückfragen gerne beantworten. Für Kurzentschlossene stehen die Veranstaltungen teilweise auch in einem Livestream zur Verfügung. Zu einzelnen Veranstaltungen werden wir zudem Dokumentationen im Nachhinein zugänglich machen.

August Bebel Institut
Bildung · Galerie · Bibliothek
Müllerstraße 163, 13353 Berlin
Anfahrt
U+S-Bhf Wedding, Bus 120
Anmeldung [at] august-bebel-institut.de oder Tel. (030) 4692–121.