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Straßenschilder

Das »Afrikanische Viertel«

Im Nordwesten Berlins, im Wedding, befindet sich das sogenannte »Afrikanische Viertel«. Die 22 Straßen und drei Kleingartenanlagen, die dazu gezählt werden, wurden nach afrikanischen Gebieten benannt. Wohlgemerkt nicht nach irgendwelchen, sondern nach solchen, die früher unter deutscher Kolonialherrschaft standen oder die das Deutsche Reich einzunehmen hoffte: Kameruner Straße, Togostraße, Sansibarstraße… Auch die Namen dreier Männer, die für das Deutsche Reich Gebiete in Ost- und Westafrika annektierten, finden sich im Straßenbild wieder: Lüderitz, Nachtigal und Peters.

Die ersten Straßen dieser Art wurden in den 1890er Jahren benannt – zu einer Zeit, als Deutschland Gebiete in Afrika, Asien und dem Pazifik für sich beanspruchte. Die Berliner Stadtverwaltung wollte damit deutsche Eroberungen würdigen und koloniale Besitzansprüche im Stadtbild spiegeln. Das »Afrikanische Viertel« kann deshalb auch als »Kolonialviertel« bezeichnet werden.

Heute versteht sich die Bundesrepublik Deutschland als freiheitlich-demokratischer und sozialer Rechtsstaat. Die Straßen­namen, die ein System würdigen, das ökonomische Ausbeutung und Entrechtung, Krieg und Rassismus bedeutete, bestehen dennoch bis heute.

Seit den 1980er Jahren gibt es Forderungen nach einer Umbenennung jener drei Straßen im »Afrikanischen Viertel«, die nach Kolonialisten benannt sind – seit Mitte der 2000er Jahre maßgeblich aus Berlins Schwarzer Community. Die Forderungen sind bisher vom Bezirk Mitte abgelehnt worden, sie mündeten allerdings 2011 in den Beschluss des Bezirks, im Viertel einen »Lern- und Erinnerungsort« einzurichten, der eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte des deutschen Kolonialismus ermöglichen soll. Auch wurde im Juni 2012 an der Ecke Otawistraße / Müllerstraße eine Informations- und Gedenkstele zum »Afrikanischen Viertel« errichtet.

Wie können und wollen wir im »Afrikanischen Viertel« lernen und erinnern? Diese Frage beschäftigt aktuell die Berliner Schwarze Community, unterstützende Expert_innen von Nichtregierungsorganisationen sowie den Bezirk Mitte. Im Projekt »Memory Streets. Lernen und Erinnern im Afrikanischen Viertel« beteiligten sich Schüler_innen aus dem Wedding mit eigenen Ideen an diesem Nachdenken. Sie entwickelten Modelle für Gedenkobjekte, die sich in einen »Lern- und Erinnerungsort Afrikanisches Viertel« einfügen ließen.

Schüler_innen am Waldrand vor Schild