August Bebel Institut Berlin

Wer politisch mitreden möchte oder sich sogar engagieren will, ist im August Bebel Institut richtig. Hier kann nachgelesen werden, wer wir sind, was wir wollen und wie wir versuchen, unseren Zielen näher zu kommen.

Wer wir sind

Das ABI ist eine Einrichtung des Instituts für soziale Demokratie und erfüllt die Funktion eines Kommunalpolitischen Bildungswerks. Gegründet wurde das ABI im Jahr 1947 von vier sozialdemokratischen Zeitungsverlagen, die nach dem Ende des Nationalsozialismus und angesichts des beginnenden Kalten Krieges die Demokratie mit Hilfe Politischer Bildung fördern wollten. In den ersten Jahren kam das Institut im Haus der Wannseekonferenz unter.

Seitdem hat sich viel getan. Formate, Methoden und Inhalte der Veranstaltungen haben sich gewandelt. Heute kümmert sich ein fünfköpfiges Team um ein breites Bildungsangebot. Im Rhythmus von drei Monaten wird unser Team von Praktikant*innen unterstützt. Wer etwas über die Organisation Politischer Bildung lernen möchte, kann bei uns einiges erfahren. Die Praktikant*innen sind aber auch für uns eine Unterstützung und Bereicherung.

Was wir erreichen wollen

Über die Weimarer Republik wurde einmal gesagt, sie wäre eine Demokratie ohne Demokraten gewesen. Eine solche Situation darf es in unserer Gesellschaft nicht geben. Das ABI tut alles, um mit Hilfe verschiedenster Veranstaltungen die Demokratie zu stützen und zu ihrer Weiterentwicklung beizutragen.

Insbesondere junge Menschen gehören zu unserer Zielgruppe. Wer gerade begonnen hat, sich zu engagieren, kann an Workshops wie »Motiviert in die Politik einsteigen« teilnehmen. Ein wichtiges Anliegen ist uns, dass die Diversität der Stadt und der Menschen sich auch in der Politik widerspiegelt. Deshalb bieten wir auch Veranstaltungen an, die speziell Migrant*innen und BPoCs erreichen sollen.
Wir sehen es als wichtige Aufgabe an, Menschen aus gesellschaftlichen Initiativen dabei zu unterstützen, ihre Anliegen und Forderungen in den demokratischen Prozess einzubringen. Bei uns können Erfahrungen ausgetauscht werden, aber auch die Strukturen der Bezirks- und Landespolitik angeeignet.

Ein zentrales Ziel ist die Förderung historischen Bewusstseins, historischer Kenntnisse und Austauschs. Die Geschichte der Sozialdemokratie, der Arbeiterbewegung, anderer sozialer Bewegungen und Berlins darf nicht dem Dunkel der Vergessenheit anheimgegeben werden. Wir können aus den Erfahrungen der Vergangenheit viel für die Gegenwart und die Gestaltung der Zukunft lernen.

Entsprechend der Vielfalt der Menschen in der Stadt ist uns das Prinzip der Kontroversität bzw. Multiperspektivität wichtig. Niemand wird überwältigt, wenn ein Thema kontrovers diskutiert wird, es wird deutlich gemacht, dass es unterschiedliche Positionen gibt. Rassistische, sexistische und andere diskriminierende Positionen haben in unserer Bildungsarbeit keinen Platz. 

Inhalte und Projekte

Ein Großteil der ABI-Veranstaltungen hat einen stadtpolitischen Bezug. Wir greifen Themen der Berliner Politik und Gesellschaft auf, um sie möglichst konkret zu vermitteln. Oft nähern wir uns Themen aus historischer Perspektive. So zeigten wir zwei Jahre lang an unterschiedlichen Orten eine Ausstellung über den früheren Berliner Stadtbaurat Martin Wagner, der dem sozialen Wohnungsbau in den 1920er Jahren große Impulse gab. Die von ihm gegründete Wohnungsbaugesellschaft GEHAG wurde um das Jahr 2000 privatisiert, ihre Wohnungen gehören heute überwiegend der Deutsche Wohnen AG. So wird historische Erfahrung mit gegenwärtigen Themen verbunden. Themen wie koloniale Straßennamen und Klimaschutz im Kiez werden gemeinsam mit entsprechenden bürgerschaftlichen Initiativen aufbereitet. Dem stadtpolitischen Engagement dienen auch unsere Methodenworkshops, die z.B. die Moderation politischer Veranstaltungen oder Rhetorik zum Gegenstand haben.

Eine weitere Reihe von Workshops stellt die Sensibilisierung im Hinblick auf Diskriminierungen aus einer intersektionalen Perspektive in den Mittelpunkt. Hier geht es z.B. um Kritisches Weißsein, Klassismus, Kritische Männlichkeit, geschlechtliche Vielfalt, Antiziganismus oder Barrierefreiheit.

Demokratiebildung wird nicht als Vortrag über Wahlgrundsätze und Verfassungsorgane organisiert, sondern z.B. als Tagesworkshop zur Revolution von 1848 auf dem Friedhof der Märzgefallenen, der die Ereignisse, Beteiligte, Forderungen vermittelt, dann aber auch fragt, welche Forderungen die Teilnehmenden heute haben und, wie sie in den demokratischen Prozess eingebracht werden können. So werden auch Veranstaltungen über historische Themen an konkreten Themen und Fragestellungen fest gemacht. Der Kiez im Wedding rund um den Nettelbeckplatz wird mit von Projektteilnehmenden selbst erarbeiteten Stadtrundgängen erschlossen.

Des Weiteren veranstalten wir die Workshop-reihe „Schüler*innen-Dialoge – „Meine Stadt – Angekommen in Berlin!“ – Begegnungsworkshops von Schülerinnen unterschiedlicher Schulklassen – Gegen Rassismus, für gegenseitiges Verständnis und Respekt 2023“.

Ziel des Projekts ist es, Berliner Schülerinnen der Sekundarstufen I und II dabei zu unterstützen, einen erweiterten Blick auf ihre Mitschülerinnen und ihre Stadt zu entwickeln.
In den Workshops kommen Schülerinnen verschiedenster Hintergründe aus „Willkommensklassen“, „DAZ-Klassen“, sowie Regelklassen in Kontakt, um Verständnis, vorurteilsfreien Umgang und Offenheit für Vielfältigkeit zu fördern. Die individuellen Identitäten und Biografien der SchülerInnen stehen hier im Mittelpunkt. Schwerpunkt unseres Angebots ist es, Kennenlern- und Begegnungsräume zu schaffen und Perspektivwechsel zu ermöglichen.
Unser Methodenrepertoire umfasst Ansätze aus Theater, Erlebnispädagogik, Spielpädagogik und Diversity-Programme. Wir setzen auf szenisches Spiel, Einzel-, Paar- und Gruppenarbeit, Gesprächsrunden und Interviewmethoden. Diese Methoden fördern nicht nur gruppendynamische Prozesse, sondern stärken auch das individuelle Empowerment der Schüler*innen, insbesondere in Bezug auf nonverbale Kommunikation und den Umgang mit Sprachbarrieren. Die vier- bis achtstündigen Workshops finden unter theaterpädagogischer Leitung statt.
Wir wollen Jugendlichen ermöglichen, ihre sozialen Räume zu erweitern. Theatermethoden, Diskussionen und Partnerarbeit dienen dazu, Identitätsentwicklung zu beleuchten, Vorurteile anzusprechen und abzubauen. Wir fördern die Wertschätzung für unterschiedliche Denkweisen und Handlungsstrategien.
Unsere Seminare sensibilisieren für Vielfalt und stärken die individuelle Positionierung. Eben wie es die Leitlinien des Landesprogramms vorsehen, sollen demokratische Kompetenzen gestärkt werden und Jugendlichen Handlungsoptionen für den Alltag aufgezeigt werden. Unsere Arbeit trägt dazu bei, eine inklusive Schulgemeinschaft in Berlin zu schaffen, die von Respekt und Verständnis geprägt ist.

Formate und Methoden

Unsere Veranstaltungen finden in Form von Abendveranstaltungen, Stadtführungen, Tagesworkshops, Filmabende, Buchvorstellungen, Begleitveranstaltungen zu Ausstellungen, aber auch als Exkursion, z.B. als Gedenkstättenfahrt statt. Im Einzelfall gibt es auch »Lange Nächte« des politischen Buchs oder der Revolution, um den 18. März zum Jahrestag der Revolution von 1848. Bustouren führen in unregelmäßigen Abständen zu Wohnungsgenossenschaften in einzelnen Bezirken. Das Bildungsjahr beginnt in der Regel am 15. Januar mit einem Filmabend im Kino Moviemento. Das hat mittlerweile Tradition.

Seit 2020 führen wir auch Online-Veranstaltungen und digitale Formate der politischen Bildung durch. Dadurch können interessierte Menschen erreicht werden, die z.B. nicht abends in das Institut kommen können. In Zukunft wird es auch hybride Veranstaltungen geben. Wir entwickeln den digitalen Bereich beständig weiter. 

Wir streben an, die Menschen der Berliner Stadtgesellschaft in ihrer Vielfalt zu erreichen. Dafür braucht es eine große Vielfalt von Kontakten in die Zivilgesellschaft, Themen und Methoden. Das Thema »Aufsuchende politische Bildung« beschäftigt uns deshalb sehr. Wir verfügen über wundervolle Räume, in denen politische Bildung durchgeführt werden kann. Die meisten Menschen finden aber nicht den Weg in den Wedding. Es gilt, die Menschen auch in anderen Gegenden und Stadtteilen aufzusuchen und dort »abzuholen«.

Unsere Methoden sind grundsätzlich daran orientiert, die Themen nah an den Lebenswelten der Teilnehmenden anzusetzen.