Programm

Berliner Asyl-Verein für Obdachlose – Toleranz und humanes Grundverständnis
Bildquelle: Archiv des Berliner Asyl-Vereins für Obdachlose
Datum
Uhrzeit 19:00 – 21:00 Uhr
Veranstaltungsort Bibliothek des August Bebel Instituts
Müllerstr. 163, 13353 Berlin
Veranstalter August Bebel Institut

Berliner Asyl-Verein für Obdachlose – Toleranz und humanes Grundverständnis

Lesung

Der Verein war der Gegenentwurf zur dominierenden Obdachlosenhilfe kirchlicher Prägung. Er errichtete 1869 ein Frauenasyl und schaffte bis 1907 in der Weddinger „Wiesenburg“ 1.100 Übernachtungsplätze für Frauen und Männer – Räume mit modernstem hygienischem Standard und Vorbild für ähnliche Einrichtungen weit über Deutschland hinaus.

Der Grundsatz: Obdachlose sind Menschen in Not, die Hilfe benötigen und ohne Vorbedingungen erhalten. Wesentlich war die strikte Anonymität: keine christliche Agitation, Bevormundung, Kontrolle, Zwangsarbeit oder gar Bestrafung und „Besserung“ der „Asylisten“, was zu Kampagnen gegen den Verein führte – oft mit antisemitischem und antisozialdemokratischem Unterton.
Die um 1900 4.000 Mitglieder des Asyl-Vereins kamen aus allen Schichten der Bevölkerung: Facharbeiter, liberale Kaufleute, Ärzte, Wissenschaftler, Kommunalpolitiker; viele waren Sozialdemokraten und viele jüdischer Herkunft. Auch Frauen gehörten dem Verein an, werden in den Mitgliederverzeichnissen jedoch nicht mit eigenem Namen, sondern lediglich als Ehefrauen der männlichen Mitglieder geführt. Den Vereinsmitgliedern war die wesentliche Ursache der Obdachlosigkeit – das sich brachial durchsetzende kapitalistische Wirtschaftssystem – bewusst. Sie wollten Not lindern. Paul Singer war neben vielen anderen eine herausragende Persönlichkeit und „Gesicht“ des Vereins. August Bebel sagte über ihn: Singer setze sich mit besonderer Liebe für den Verein ein. Eher hätte er seine Abgeordnetenämter aufgegeben als sein Amt im Asyl-Verein.