Eine Ausstellung von Schüler/innen der Ernst-Schering-Schule und des Oberstufenzentrums für Kommunikations-, Informations- und Medientechnik
Mo 5. November – Mo 3. Dezember 2012
Öffnungszeiten Mo–Fr 14–18 Uhr

In Kooperation mit Afrikanisches Viertel e.V., Berlin Postkolonial e.V., Gangway e.V. und Haus der Jugend / Stiftung SPI

Gefördert von der Stiftung „Erinnerung Verantwortung und Zukunft“ (EVZ), der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit, dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und der Stiftung Nord-Süd-Brücken

Eine Bank, die zum Verweilen einlädt und Informationen zur Geschichte des Viertels preisgibt, Kaugummiautomaten, die Fragen stellen, eine Infosäule auf Rädern – diese Dinge könnten bald im „Afrikanischen Viertel“ in Berlin-Wedding stehen. Schüler/innen der Ernst-Schering-Schule und des Oberstufenzentrums für Kommunikations-, Informations- und Medientechnik haben die Installationen in Projekttagen entwickelt. Sie informieren über die koloniale Geschichte des Viertels – eines Viertels, dessen Straßen ab den 1890er Jahren nach Kolonialgebieten und deutschen Kolonialisten benannt wurden.

Anlass für das Projekt: 2011 beschloss der Bezirk Mitte, das „Afrikanische Viertel“ zu einem „Lern- und Erinnerungsort“ zu gestalten. Die Installationen der Schüler/innen sind konkrete Vorschläge für einen solchen Ort. Was jetzt indoors zu sehen ist, haben die Schüler/innen für Standorte in der Lüderitzstraße, am Eingang zur „Dauerkolonie Togo“ und für viele andere Plätze im „Afrikanischen Viertel“ geplant.

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Begleitprogramm

Fr 2. November, 17–19 Uhr
Ausstellungseröffnung
Grußworte von: Dr. Christian Hanke (Schirmherr und Bezirksbürgermeister Berlin-Mitte), Marianne Ballé Moudoumbou (Afrika-Rat e.V.), Ulla Kux (Stiftung „Erinnerung Verantwortung und Zukunft“)
Mit: Schüler/innen der 8. Klasse der Ernst-Schering-Schule und der 11. Klasse des OSZ KIM, den Teamer/innen Josephine Apraku, Dörte Fischer, Sebastian Fleary und Sharon Dodua Otoo, Bettina Kubanek (Ausstellungsgestaltung), Christian Kopp (Berlin Postkolonial e.V.), Ursula Trüper (Afrikanisches Viertel e.V.), Manuela Bauche (Projektleitung, ABI)

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Rahmenprogramm | Inputs & Diskussionen
An vier Abenden erläutern die Schüler/innen der Ernst-Schering-Schule und des Oberstufenzentrums für Kommunikations-, Informations- und Medientechnik ihre Vorschläge für Gedenkobjekte für das „Afrikanische Viertel“. Jeweils im Anschluss werden in kurzen Inputs bereits existierende Orte und Projekte zum historischen Lernen und Gedenken sowie Erfahrungen mit kolonialem Erbe im Stadtraum vorgestellt. Inwieweit können diese Objektideen und Erfahrungen Vorbild für das „Afrikanische Viertel“ sein? Wie wünschen wir uns Lernen und Erinnern im „Afrikanischen Viertel“? Wir laden alle, insbesondere Bewohner/innen des „Afrikanischen Viertels“, dazu ein, Ideen, Gedanken und Kritik beizutragen.

An vier Abenden präsentieren die Schüler/innen der Ernst-Schering-Schule und des Oberstufenzentrums für Kommunikations-, Informations- und Medientechnik ihre Gedenkobjekte für das „Afrikanische Viertel“. Im Anschluss werden in kurzen Inputs bereits existierende Orte und Projekte zum historischen Lernen und Gedenken sowie Erfahrungen mit kolonialem Erbe im Stadtraum vorgestellt. Inwieweit können diese Objektideen und Erfahrungen Vorbild für das „Afrikanische Viertel“ sein? Wie wünschen wir uns Lernen und Erinnern im „Afrikanischen Viertel“? Wir laden alle, insbesondere Bewohner/innen des „Afrikanischen Viertels“, dazu ein, Ideen, Gedanken und Kritik beizutragen.

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Do 8. November, 17–20 Uhr
 > Erinnern im Bayerischen und im ‚Afrikanischen Viertel
• Schüler/innen präsentieren die von ihnen hergestellten Gedenkobjekte: Jacqueline Kurapkat über ihre „Memory Stones“ | Serhat Akin, Sennem Kilic und Marie Sukale über ihre „Poster für Litfasssäulen“
• Seit 1993 existiert im „Bayerischen Viertel“ in Berlin-Schöneberg die Denkmal-Installation „Orte des Erinnerns“. Die schlicht und verständlich gestalteten 80 Schilder, die an Laternenmasten angebracht sind, erinnern an die Entrechtung, Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung des Viertels. Kann das Denkmal Vorbild für das „Afrikanische Viertel“ sein?
Petra Zwaka, Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, Leiterin des Fachbereichs Kunst, Kultur, Museen, berichtet von der Einrichtung des Denkmals und diskutiert mit.
Moderation: Manuela Bauche, August Bebel Institut & Projekt „Kolonialismus im Kasten?“

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Do 15. November 17–20 Uhr
 > Wie soll meine Straße heißen? Straßenumbenennungen in München und Berlin
• Schüler/innen präsentieren die von ihnen hergestellten Gedenkobjekte: Nesrina Moussa, Jumana Sakr und Sandra Suljic über ihren „Schlau-Gummi-Automat“ | Chantal Hermann, Mervanur Keskin und Jasmin Habeib über ihren Kurzfilm „Wir klären Euch auf“
• 2006 wurde in München die nach dem deutschen Kolonialgeneral Lothar von Trotha benannte Straße umbenannt. Seitdem gedenkt der neue Name „Hererostraße“ derjenigen, die der deutschen Kolonialmacht Widerstand leisteten und ihr zum Opfer fielen. Ein Vorbild für Berlin?
Siegfried Benker, langjähriger Fraktionsvorsitzender der Grünen / rosa liste im Münchner Stadtrat, war maßgeblich an der Debatte um das sogenannte Kolonialviertel in München beteiligt und erzählt von der mehrjährigen, schwierigen Auseinandersetzung.
Joshua Kwesi Aikins, Aktivist in der Berliner dekolonialen „Straßeninitiative“, erörtert ausgehend von Berliner Erfahrungen mit Straßenumbenennungen, auf welche Weise und durch wen alternative Namensgeber/innen bestimmt werden sollten.

Moderation: Christian Kopp, Berlin Postkolonial e.V.

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Do 22. November, 17–20 Uhr > Verdeckte Geschichten sichtbar machen. (Achtung! Änderung)

• Schüler/innen präsentieren die von ihnen hergestellten Gedenkobjekte: Marina Albrecht, Erdem Bedel und Eric Ehlert rappen „Independent Again“ | Sedanur Atik, Mona Makkawi und Aya Saad über ihre „Musikalische Info-Bank“ | Deniz Großmann und Sebastian Pätzold über Ihre Internetseite „Mach Dich schlau!“

• Dass die Geschichte von Menschen afrikanischer, arabischer und türkischer Herkunft in Berlin weit länger zurückreicht als 1945, ist vielen nicht bewusst. Immer mehr Projekte setzen sich zum Ziel, diese Geschichten zu recherchieren und öffentlich zu machen. Welche Geschichten erzählen diese Projekte? Wer ist an ihnen beteiligt? Und inwiefern können solche Arbeiten Grundlage für das Gedenken im Stadtraum sein? Ein Gespräch über Schwerhörigkeiten der Erinnerung.

Sharon Dodua Otoo, Vorstandsmitglied der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V., spricht über „Homestory Deutschland“, eine Ausstellung, die 27 Biografien Schwarzer Männer und Frauen aus drei Jahrhunderten erzählt. Von Anton Wilhelm Amo, der im 18. Jahrhundert an den Universitäten Halle und Wittenberg lehrte, bis zu Ekpenyong Ani, die das antirassistische Profil des Berliner Frauenverlags Orlanda stärkte.

Aischa Ahmed, Geschichts- und Kulturwissenschaftlerin, berichtet von dem Jugendtheaterprojekt „Vergessene Biografien“, in dem Berliner Jugendliche die Verfolgungsgeschichten türkischer Jüd/innen, Schwarzer und arabischer Menschen szenisch aufbereiten.

Franziska Ehricht, Mitarbeiterin bei Miphgasch/Begegnung e.V., stellt den Dokumentenkoffer „GeschichteN teilen“ vor, der Fotos, Zeitzeug/innenberichte und historische Dokumente über bisher kaum beachtete Erfahrungen nationalsozialistischer Verfolgung für die pädagogische Arbeit zur Verfügung stellt.

Moderation: Manuela Bauche, August Bebel Institut und Projekt „Kolonialismus im Kasten?“

(Leider musste Michaela Melián kurzfristig ihre Teilnahme an der Veranstaltung absagen. Die Veranstaltung, die ursprünglich unter dem Titel „Hören und Erinnern in der Stadt“ geplant war, findet deshalb in oben genannter, veränderter Form statt.)

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Do 29. November, 17–20 Uhr
 > Wie Lernen und Erinnern im „Afrikanischen Viertel“?
• Schüler/innen präsentieren die von ihnen hergestellten Gedenkobjekte: Jonas Ebersbach und Max-Georg Schulzke über „Keep Rollin‘ – Ausstellung auf Rollen“ | Alkan Aydin und Justin Nancke über „Denktafel“
• NGOs werden in den kommenden Monaten ein Rahmenkonzept für den zukünftigen „Lern- und Erinnerungsort Afrikanisches Viertel“ entwickeln. Eine zentrale Position des Konzepts wird die Umbennung jener drei Straßen sein, mit deren Namen bis heute die Begründer der deutschen Kolonien in Afrika geehrt werden. Diese Straßen sollen – im Sinne eines Perspektivwechsels – u.a. nach Afrikaner/innen benannt werden, die ermordet wurden, weil sie der Kolonialherrschaft Widerstand leisteten.

Jospehine Apraku, Afrikanistin und Mitglied von Afrikanisches Viertel e.V., der Politikwissenschaftler Joshua Kwesi Aikins, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V., und der Historiker Christian Kopp von Berlin Postkolonial e.V. sind an dem Entwurf beteiligt und stellen erste Ideen vor.

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Mo 3. Dezember, 17–19 Uhr > Finissage


Mit Fotoshow zu den Schulprojekttagen, Hip-Hop und Preisverleihung